Magali Reus und die Seele der Dinge
Atelierbesuch von Anneli BOTZ
Die Tür zu Magali Reus’ Studio im Londoner Osten öffnet sich langsam. Gleich am Eingang stehen mehrere Fahrräder der Marke Reus. Der gemeinsame Name sei zunächst Zufall gewesen, erzählt die gebürtige Niederländerin, doch mit der Zeit habe sich die Marke – ganz natürlich – als besonders hochwertig erwiesen. Seit über zwanzig Jahren lebt und arbeitet die Künstlerin in London, und ihr Studio wirkt wie ein Labor voller Möglichkeiten.
Reus ist ein institutioneller Traum: Museen und Galerien buhlen um ihre Arbeiten, der Kalender ist prall gefüllt mit Einzel- und Gruppenausstellungen an renommierten Einrichtungen. Aber was macht ihre Kunst so begehrenswert? Magali Reus denkt tief und komplex. Ihre Arbeiten untersuchen Materialien und ihr verborgenes Potenzial. Sie reflektieren über den funktionalen Zustand von Objekten – und über uns selbst in der Welt, über Reisen und Bewegung. So verwandeln sich alltägliche Gegenstände in zweckentfremdete Simulationen mit animiertem Geist. In der Regel verhalten sich diese neuen Entitäten rebellisch. Nichts ist so, wie es zu sein scheint, selbst wenn es um die eigene materielle Begrenzung geht: Aluminium imitiert Pappe, Harz wird zu Honig, ehemalige Ohrringe ent wickeln eine freche Autorität. Die einzelnen Werkgruppen in Magali Reus Œuvre sind dabei von beeindruckender handwerklicher Präzision. Jedes Detail wird eigens gefertigt – Gurte, Schnallen, Textilien, Sättel, übergroße Sardinenbüchsen. Und am Ende bleibt der Eindruck, dass die Dinge uns vielleicht schon länger beobachtet haben, als wir dachten.
AB Alles an deinen Arbeiten scheint intentional: die Art, wie sie hergestellt werden,…