Marion Ackermann
Ich liebe die Offenheit des Lebens
Ein Gespräch von Michael Stoeber
Marion Ackermann, 1965 in Göttingen geboren, gehört zu den einflussreichsten Kulturmanagerinnen Europas. Als Kunsthistorikerin, Kuratorin und Museumsleiterin hat sie Institutionen geprägt, Debatten angestoßen und immer wieder neue Wege zwischen Kunst, Gesellschaft und Politik eröffnet. Seit Juni 2025 steht sie an der Spitze der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der größten Kultureinrichtung Deutschlands und einer der bedeutendsten weltweit. Im Gespräch mit Michael Stoeber blickt Marion Ackermann zurück auf prägende Erfahrungen ihrer Schulzeit, frühe Begegnungen mit Kunst und entscheidende Mentoren. Sie erzählt von intellektueller Neugier, „produktiver Verzettelung“ und dem Mut, Verantwortung zu übernehmen. Zugleich spricht sie über ihr Führungsverständnis, internationale Kulturpolitik, die Herausforderungen großer Institutionen und die gesellschaftliche Rolle von Museen, Bibliotheken und Archiven in politisch unruhigen Zeiten.
MS Frau Ackermann, wie haben Sie Ihre Schulzeit erlebt?
MA Ich mochte meinen Lateinlehrer, der uns jede neue Vokabel mit Vorwärts- oder Rückwärtssalto vom Lehrerschreibtisch einprägen wollte, und uns als Sportlehrer auf Wildwasserkanutouren begleitete. Mein Ehrgeiz bestand darin, aus dem Lateinischen inhaltlich Dada-Übersetzungen zu erzeugen, die aber formal grammatikalisch korrekt waren. Wir waren eine politisch interessierte, skeptische und zugleich idealistische Generation, engagiert für Natur- und Datenschutz, als Kinder des Zonenrandgebiets, die mit den Ängsten des Kalten Krieges aufgewachsen waren, daher sehr offen für die Friedensbewegung und gegen Atomkraft. Einige von uns, ich gehörte dazu, setzten sich dezidiert für die Wiedervereinigung ein. Ein prägender Moment für mich war, als mein Deutschlehrer unsere Zweifel daran, ob man mit hoher Literatur wirklich etwas zur Verbesserung der Welt…
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