Matthew Barney

Zwischen narrativer Form und Objektform
Ein Gespräch von Rosa Windt

Matthew Barney, geboren 1967, zählt zu den einflussreichsten Künstlern seiner Generation, deren Praxis die Grenzen zwischen Skulptur, Film, Performance und Zeichnung systematisch unterläuft. Seit den frühen 90er-Jahren entwickelt Barney ein geschlossenes, zugleich poröses Œuvre, in dem Materialprozesse, mythische Narrative und körperliche Disziplinen ineinandergreifen. Im Zentrum steht dabei stets die Skulptur als Form komplexer energetischer, narrativer und performativer Systeme. Filmische Sequenzen, choreografierte Aktionen und allegorische Figuren fungieren weniger als erzählerische Mittel im klassischen Sinn, denn als formbildende Kräfte einer erweiterten Bildhauerei, in der Material selbst zum Träger von Transformation, Instabilität und Schwellenzuständen wird. Barneys Werk ist tief in kunsthistorischen wie kulturgeschichtlichen Traditionen verankert. Es greift auf den Körperdiskurs der Performancekunst ebenso zurück wie auf Minimalismus und Prozesskunst, deren Interesse an Materialeigenschaften und Transformation er mit symbolischen, mythologischen und psycho-sexuellen Aufladungen konfrontiert. Zugleich lassen sich Bezüge zur Mythologie, zur romantischen Landschaftsvorstellung und zur Oper als synästhetischem Gesamtkunstwerk erkennen. Serien wie The CREMASTER Cycle (1994–2002), River of Fundament (2007–2014) oder neuere Arbeiten wie Redoubt (2018) und SECONDARY (2023) verhandeln Fragen von Identität, Macht, Körperdisziplin und kultureller Codierung, wobei Landschaft, Sport, Ritual und autobiografische Motive als Träger historischer wie individueller Einschreibungen fungieren und den Körper als opake, affektiv aufgeladene Bildform in den Mittelpunkt rücken.

RW In deinen Arbeiten operierst du mit einer Vielzahl von Motiven, Figuren und Materialien, die sich nie zu einer einzigen, endgültigen Erzählung verdichten, sondern zwischen Ordnung und Chaos oszillieren. Welchen Anspruch an Narration hast du und wie bewusst ist…


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