Michael Rutschky
Mitgeschrieben. Die Sensationen des Gewöhnlichen
RELEKTÜREN Folge 92
von Rainer METZGER
„Überlegen (aber nicht arrogant) – Intelligent (aber nicht akademisch) – Böse (aber nicht zynisch) – Elegant (aber nicht selbstgefällig) – Sophisticated (aber nicht esoterisch) – Kritisch (aber ohne Besserwisserei) – Ironisch (aber nicht patzig)“: Diese wirklich schöne Liste an schriftstellerischen Tugenden haben im Juni 1979 Hans Magnus Enzensberger und Gaston Salvatore zusammengestellt, um den Verleger Heinz van Nouhuys dazu zu bringen, ihnen eine „Zeitschrift für das westliche Deutschland“ zu finanzieren. So nahm Transatlantik seinen Lauf. Für zwei eher unergiebige Jahre zwischen dem ersten Heft im Oktober 1980 und dem Ausscheiden der beiden Herausgeber im Herbst 1982 wurde hier Geistigkeit mit Zeitgeistigkeit kurzgeschlossen. Und für ein gutes Jahr, bis sein Name im Impressum ab April 1982 nicht mehr aufscheint, war einer der Redakteure Michael Rutschky. Er blieb dafür extra in München, wo Transatlantik postmodernerweise herausgebracht wurde (die Informationen nach Kai Sina, Transatlantik, Göttingen: Wallstein 2022, die Liste S. 172). Davor, 1979, war Rutschky, diesmal für ein knappes Jahr, Redakteur des Merkur gewesen, der gut abgehangenen „Deutschen Zeitschrift für europäisches Denken“. Obwohl er München hasste und sein heimatliches Berlin dafür um so unentwegter liebte, hatte er sich in der Bonner Straße eine Wohnung genommen, seine Frau und renommierte Essayistin war gleichfalls vor Ort, und so lebte man sein gemeinsames Leben in „Leberkäsburg“ respektive „Dirndlstetten“, wie Katharina Rutschky die Hauptstadt der bundesrepublikanischen Prächtigkeit nannte (zitiert nach Michael Rutschky, Mein Jahr beim Merkur; in: Merkur 794, Juli 2015, S. 36). Von der Münchner Periode,…
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