Bochum
Neue Blicke auf vertrautes Terrain
Erweiterte Weltsichten
Museum unter Tage von Situation Kunst (für Max Imdahl) 7.11.2025–19.4.2026
von Jörg Restorff
Als der US-Astronaut William Anders am 24. Dezember 1968 die Erde fotografierte, glückte ihm ein ikonisches Weihnachtsbild. Aus seiner den Mond umkreisenden Raumkapsel heraus brachte Anders zwei Welten zusammen, die unterschiedlicher kaum denkbar sind: Das untere Drittel der Aufnahme nimmt der Mond ein – pure Wüstenei. Darüber, soeben über dem Mondhorizont aufgehend, scheint vital und verheißungsvoll die Erde hervor. 384.400 Kilometer entfernt und doch zum Greifen nah. Im Kontrast zum trostlos verödeten Mondplateau wirkt der Blaue Planet wie ein magischer Sehnsuchtsort.
Earthrise (so der Titel des Fotos) ist ein berühmtes Dokument der Raumfahrt, eine berührende Weihnachtsbotschaft – und es empfängt die Besucherinnen und Besucher am Eingang zur Ausstellung „Neue Blicke auf vertrautes Terrain. Erweiterte Weltsichten“. Die galaktische Perspektive zeugt von der Bandbreite, mit der sich das Museum unter Tage von Situation Kunst (für Max Imdahl) dem Thema nähert. Vom Kosmos über die „Weltlandschaft“ zoomt die Perspektive bis hinunter zur Pflanzenstudie.
Die Dauerausstellung Weltsichten, in direkter Nachbarschaft zur aktuellen Sonderschau zu finden und mit dieser eine thematische Einheit bildend, haben Alexander und Silke von Berswordt-Wallrabe zusammengetragen. Eine Enzyklopädie zur Landschaftskunst, in der von Berenice Abbott bis Bernd Zimmer circa 350 Künstlerinnen und Künstler vertreten sind. Gemälde und Zeichnungen gehören ebenso zum Bestand wie Fotografien. Seit 2015 ist das Konvolut, das die Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum ergänzt, als variable Dauerausstellung für die Öffentlichkeit zugänglich.
Neue Blicke auf vertrautes Terrain. Erweiterte Weltsichten ermöglicht eine Begegnung mit Werken, die…