Ansichtssache
POV Gen Z 👀
Lynn Hershman Leeson: America’s Finest, 1990–1994
von Jennifer BRAUN
Ein M16-Gewehr steht mitten im ZKM Karlsruhe. Man kann es bedienen, sofern man kein Problem damit hat, sich auf ein Podest zu stellen und so auszusehen, als würde man auf die anderen Besucher*innen zielen und einen Amoklauf simulieren. Leider wurde ich bei einer Führung gespoilert, daher wusste ich schon vor dem Blick ins Visier, was mich erwartete. Und doch fühlte ich auf diesem Podest einen kalten Schauer über meinen Rücken laufen. Nicht, als ich einen Soldaten im Bild sah und abdrückte. Nicht, als ich ein Kind anvisierte. Erst, als ich kurz vorm erneuten Abdrücken meinen eigenen Hinterkopf mit dem Kinderbild überlagert sah. Erst dann wurde mir das alles zu real.
Es ist doch nur ein Spiel. Wie Call of Duty. Es passiert doch nicht wirklich etwas. Niemand wird verletzt. Weil ich mit diesem Kunstwerk keinen echten Menschen erschieße, ist alles fein. Wenn das die moralische Leitplanke ist, brauchen wir nicht hinzuschauen, wenn Gewaltfantasien gegen Frauen mittlerweile zu einem der beliebtesten Prompts für KI-Videos werden. Diese KI-generierten Frauen sind ja schließlich auch nicht echt. Stimmt’s?
Von Kindheit an lernen wir durch Spiele Verhaltensregeln. Was im Spiel passiert, bleibt nicht im Spiel, sondern wird zu gelebter Realität. Das Spiel ist ein Experimentierfeld. Dort wird erprobt, was im Realen angewendet wird. Natürlich hat jedes Spiel gewisse Regeln. Manche Dinge sind erlaubt, während andere sanktioniert werden. Kinder töten ist ein Kriegsverbrechen. Soldaten wiederum nicht. Anders sahen es die reichen Touristen auf der „Sarajevo Safari“,…