Presseschau
Eine Auswahl
Melancholie im Schmollwinkel
von Bice Curiger
Die documenta ist zweifellos die größte und wichtigste Ausstellung aktueller zeitgenössischer Kunst, obwohl sich in letzter Zeit vergleichbare Großereignisse zu jagen beginnen: War es letztes Jahr die „Westkunst“ in Köln, so sind dieses Jahr die Biennale in Venedig, die Ausstellung „Avantgarde-Transavantgarde“ in Rom (25.4. bis 25.7.). „Attitudes Concepts, Images“ in Amsterdam (9.4. bis 11.7.) und ab 14. Oktober in Berlin das große Projekt „Zeitgeist“.
Allein diese Bestandsaufnahme zeigt die allgemeine Beschleunigung, die die bildende Kunst in ihrem Ausstellungsbetrieb erfaßt hat. „Museum auf Zeit“ heißt der Leitgedanke (in dieser Form ein „Nachkriegskind“), der hinter diesen Veranstaltungen steht und für andere Kulturbereiche im Festivalbetrieb seine Entsprechung hat. Während aber die Veranstaltungen um Literatur, Theater und Film gegenwärtig nicht selten mit Substanzproblemen und „Auspowerung“ zu kämpfen haben, bietet im Gegensatz dazu der Kunstbetrieb (zumindest aus Distanz betrachtet) ein Bild der Prosperität, der Expansion und der damit verbundenen Hektik.
Im Katalog der diesjährigen documenta werden verschiedentlich auch Gedanken zu dieser Situation geäußert. Nur erstaunt es, wie anklagend und nicht besonders hoffnungsfroh sich die Auffassungen der Autoren zuweilen anhören. Germano Celant stellt in seinem Vorwort unter dem Titel „Eine visuelle Maschine, Kunstinstallation und ihre modernen Archetypen“ die gegenwärtige Praxis als großes, selbstgenügsames Spiel dar. Er vergleicht die Künstler mit den Architekten, die nicht mehr bauen, sondern ihre Zeichnungen, Modelle und Projekte lediglich ausstellen: „Der Genuß, anerkannt zu werden, ausgestellt zu werden, ist für sie völlig ausreichend“, schreibt er und konstatiert, daß die Kunst und die Architektur, die sich auch entsprechend den…
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Wichtige Erwähnungen
Rudi FuchsWeitere Nennungen
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