Bonn
Renate Bertlmann
Im Visier
Galerie Gisela Clement 24.1.–31.3.2026
von Sabine Maria Schmidt
„Entweder man ist obsessiv oder nicht. Das habe ich mir nicht gewünscht, es war irgendwann einfach so,“ erzählt Renate Bertlmann (geb. 1943 in Wien) in einem Videointerview des Belvedere 21 von 2024. Voller Obsession widmet sich die Vollblutfeministin seit annähernd fünf Dekaden den umstrittenen Kampfzonen um den weiblichen Körper, Stereotypen, dem Recht auf Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. Nun ist das Werk der österreichischen Pionierin der Performancekunst in einer Einzelausstellung in Deutschland zu sehen. In enger Kooperation mit der Wiener Galerie Steinek zeigt die Bonner Galeristin Gisela Clement unter dem Titel Im Visier eine Auswahl von rund dreißig Arbeiten aus den frühen 1970er Jahren bis heute. Voran stellt die Künstlerin ihrer Ausstellung eine Widmung, die keine klaren Worte scheut. Sie ist als Text auf der Wand fixiert. Die Künstlerin erinnert an alle Frauen weltweit, die vergewaltigt, getötet, gefoltert, missbraucht, gedemütigt und unterdrückt wurden. Angesichts der vielen aktuellen Schlagzeilen fällt die Liste sehr lang aus, die einem unmittelbar in den Kopf ‚schießen‘; so schwer wiegen die systematischen Übergriffe, Menschenrechtsverletzungen, Femizide und Missbrauchsfälle international. Gewalt gegen Frauen wird heute genauer beobachtet; doch bleibt sie in einem erschreckenden Ausmaß allgegenwärtig. Das gilt auch in Deutschland, wie das BKA in einer jüngsten Studie steigender Straftaten für 2024 aufzeigte. Die geschwärzten Epstein-Files zementieren seit Jahren, dass Täter geschützt und die Opfer übersehen werden. Und auch das erfährt man in der Ausstellung vor der unheimlichen Installation mit dem Titel Wedding Night (von 2025). Kinderehen sind nicht nur in…
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