Rinus van de Velde
Autofiktion im Medium der Zeichnung
Ein Gespräch mit Anna Kipke
Die Auseinandersetzung mit der künstlerischen Praxis von Rinus van de Velde (*1984) gleicht dem Eintreten in ein „Universum fiktiver Autobiografie“. Seit über fünfzehn Jahren beschäftigt sich der belgische Künstler in seinen Selbstporträts mit unterschiedlichen Facetten von Autofiktion. In großformatigen Kohlezeichnungen produziert van de Velde Selbstporträts im narrativen und figurativen Stil, die mit von ihm selbst verfassten Textzeilen begleitet sind. Aus diesem hergestellten Spannungsverhältnis zwischen Bild und Text entwickelt sich die mobilisierende Kraft seiner Erzählungen, die das Verhältnis von Realität und Fiktion unterlaufen. In einer studiobasierten Praxis begann er auf Grundlage von Found-Footage-Bildern monochrome Kohlezeichnungen auf Leinwand zu produzieren. Es folgten komplexe, selbst gebaute Bühnenbilder, in der das Selbst im Medium von Fotografie und Film inszenierte und auf dieser Vorlage seine Zeichnungen herstellte. Erst spät wendet sich van de Velde der Farbe zu. Im gemeinsamen Gespräch geht es um die Frage, wie sich sein Zugang zur Autofiktion im Verlauf des letzten Jahrzehnts verändert hat. Welchen Stellenwert das Medium der Zeichnung darin einnimmt und ob in seinem nächsten Film über eine „fiktionalisierte Kunstgeschichte“ noch Raum für seine künstlerischen Erkundungen des Selbst bleibt.
AK Deine künstlerische Praxis greift unterschiedliche Tendenzen von Autofiktion und autobiografischen Ansätzen in der Kunst auf. Könntest du etwas mehr über die „neueste“ Version des Selbst erzählen?
RV Die neueste Version, an der ich gerade arbeite, geht sogar noch über die Maske hinaus. Der erste Film, den ich gedreht habe, entstand vor sechs oder sieben Jahren. Er…
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Kernperson
Rinus van de VeldeWeitere Nennungen
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