Reggio Emilia
Roméo Mivekannin
Black Mirror
Collezione Maramotti 09.03.– 27.07.2025
von Ute Thon
Wer vor den Spiegel tritt, erkennt sich selbst. Was aber, wenn der Spiegel schwarz ist, nicht das vertraute Ebenbild zurückwirft, sondern eine andere, dunklere Wahrheit offenbart? Black Mirror, so hat Roméo Mivekannin seine Malerei-Ausstellung in der Collezione Maramotti genannt. Der 39-jährige Westafrikaner, der an der Elfenbeinküste geboren wurde, in Frankreich Architektur und Kunstgeschichte studierte und heute als bildender Künstler in Toulouse und Cotonou zuhause ist, beschäftigt sich in seinem Werk schon länger mit Selbstdarstellung und Fremdzuschreibungen, tradierten Sehgewohnheiten und den blinden Flecken der Kolonialgeschichte. In einem subversiven Akt, den Mivekannin als „visuelle Irritation“ bezeichnet, interpretiert er ikonische Gemälde oder Fotografien neu und ersetzt die Gesichter der Porträtierten durch sein eigenes Schwarz-Weiß-Porträt, das die Betrachter*innen direkt ansieht.
In seiner ersten Einzelschau in Italien vertieft er diesen subversiven Blick noch, mit besonderem Focus auf die christliche Ikonografie in Gemälden von Caravaggio, Masaccio oder Delacroix, aber auch zeitgenössischen Darstellungen von Pasolini bis Pina Bausch. In zwei lichtdurchfluteten Galerien und dem dazwischen liegenden Foyer präsentiert Mivekannin 18 meist großformatige Gemälde mit Motiven, die sich an Altmeister-Bilder, ikonische Pressefotos und Filmstills anlehnen. Alle sind speziell für diese Schau entstanden und auf schwarzem Samt gemalt. Die Bilder hängen ungerahmt lose an den Wänden, teils schweben sie von der Decke hängend frei im Raum.
Den Auftakt bildet ein 3 × 10 Meter großes Gemälde in Schwarzweiß, das eine Figurengruppe beim Tanz zeigt. Auch hier hat Mivekannin die Köpfe der Personen mit seinem Selbstporträt ersetzt. Der Titel Parle avec elle…