München
SEEING THE UNSEEN
Quantenphysik und Kunst als verschränkte Welten
ERES Stiftung 4.12.2025–26.9.2026
von Jolanda Drexler
Im Jahr, in dem die Fachwelt das 100-jährige Jubiläum der Quantenmechanik gefeiert und die UNESCO das Internationale Jahr der Quantenwissenschaft und Quantentechnologien ausgerufen hat, greifen auch einige umtriebige Kunstinstitutionen dieses überaus faszinierende, unsere Vorstellungskraft übersteigende Thema auf. Den Anfang machte Laure Prouvost im Kraftwerk Berlin mit philosophisch-wissenschaftlich begleiteten Versuchen in Quantencomputing. Es folgten größere Projekte etwa in Venedig, Wien, Mailand (Hito Steyerl) – und in München natürlich die Eres Stiftung. Obgleich die Quantenphysik die von Newton begründete, für uns logisch konsistente klassische Physik sprengt, ist sie doch die Grundlage aller modernen Technologien von Handy über Laserpointer bis zum medizinischen Scanner. Der Eres Stiftung gelingt es, eine lebendige, ästhetisch anspruchsvolle wie intellektuell fordernde Präsentation zu kuratieren. Das kuratorische Konzept geht von der Annahme aus, dass Quantenphysik kein abgeschlossenes System abstrakter Formeln bleibt, sondern eine Metapher, eine Forschungshilfe und eine Inspirationsquelle zugleich ist. Die Ausstellung setzt dort an, wo Begriffe wie Verschränkung, Superposition oder Wahrscheinlichkeitswolken nicht nur symbolische Zitate bleiben, sondern als gestalterische Impulse in Werken lähmende Fachsprache zugänglich machen.
Die hier versammelten Positionen arbeiten mit Humor, Ernst und Versatzstücken aus Forschung, Technik und Popkultur: Dara Birnbaum, Herbert W. Franke, Elsa Garmire, Ayoung Kim, Alicja Kwade, Roman Lipski, Jonas Lund, Mehmet & Kazim, Tan Mu, Semiconductor, Thomas Struth, Paul Talman, Tamiko Thiel, Troika, Agustina Woodgate und weitere. Die Ausstellung ist der Versuch einer poetischen und assoziativen Entdeckungsreise, in der Zustände zugleich vorhanden sein können und Wahrscheinlichkeitswolken zu sichtbaren Erfahrungen werden.
Bereits…