München
Sweeter than honey
Ein Panorama der Written Art
Pinakothek der Moderne, Sammlung Moderne Kunst, Säle 21–26 11.12.2025–12.4.2026
von Martin Blättner
Sweeter than Honey. Ein Panorama der Written Art: Der Ausstellungs-Titel der bislang umfassendsten Präsentation der Written Art Collection könnte poetischer kaum sein und verspricht nicht zu viel. Der Titel wurde dem Werk Knowledge Is Sweeter Than Honey (Arabic) (2012) aus der Mashrabiya-Serie der ägyptisch-deutschen Künstlerin Susan Hefuna entlehnt. Das freistehend installierte Fenstergitter bezieht sich auf die traditionellen geschnitzten und gedrechselten Fensterholzgitter der islamischen Architektur und der damit verbundenen Ambivalenz von privatem und öffentlichem Raum, von Sichtbarkeit und Verborgenheit. Der Titel ist in arabischer Schrift in das Gitter eingesetzt und verdeutlich aus feministischer Perspektive den emanzipatorischen Anspruch des Wissens als Mittel gleichberechtigter, interkultureller Kommunikation. Mit dem süßen Honig ist also ein fluides und kulturübergreifenden Element, eben Erkenntnis und Weisheit gemeint, das die bitteren Worte und Inhalte mancher Werke dieser Ausstellung durch Kunst und Poesie besser munden lässt.
Um dieses Wechselspiel von Spiritualität und harten Wahrheiten, kultureller Identität und Migration im Minenfeld von Zensur und politischer Migration geht es zunächst im ersten Raum 21. Je weiter man sich der Realität annähert, wie etwa Jenny Holzer, die veröffentlichte Aufnahme-Protokolle von Insassen im Guantánamo-Lager mit geschwärzten Inhalten und nicht mehr identifizierbaren Handabdrücken zeigt, desto weiter wird die Ästhetik deutlich reduziert – dem Schrecken entsprechend. Eher einen Mittelweg zwischen Ästhetik und politischer Botschaft geht der US-amerikanische Künstler Adam Pendleton ein. Der Künstler arbeitet mit einer Mischtechnik, bei der er seine fotografierten Arbeiten auf Papier im Siebdruckverfahren auf die…