Nürnberg
The Best Show Ever
Kunsthalle 1.11.2025–22.2.2026
von Martin Blättner
Der in Köln arbeitende Maler, Bildhauer, Filmemacher und Performer Claus Richter lässt mit Botschaften auf gelben Hinweis-Schildern schon am Eingang der Ausstellung nichts aus, um für diese Ausstellung zu werben. Mit seiner Arbeit Great Expectations („Große Erwartungen“) zeigt er Werbetafeln, die auf Ständern montiert, an Wänden angebracht und zum Teil mit Leuchtrahmen versehen sind, um Botschaften der Superlative anzukündigen: „The Best Show Ever“ „You will Love The Great Exhibitions“, „See The Future of Art“ – Ein Lob in höchsten Tönen – bezogen allerdings auf die Erwartungen, die das Versprechen erst einlösen müssen.
Was ist hier los? Im Begleittext der Broschüre erläutert die Kuratorin der Ausstellung, Anne Schloen, den aktuellen Hintergrund dieser „besten Show, die es jemals gegeben hat“. Sie resümiert, dass seit Mitte der 1990er Jahre die Kunstwelt einen beispiellosen Boom erlebt und sich eine globale Industrie entwickelt habe. Neue Ausstellungen, die kaum mehr zu bewältigen seien, nähmen im Kunstbetrieb eine Schlüsselrolle ein. Es gebe ständig neue Blockbuster-Ausstellungen und somit steige der Erwartungsdruck für alle, da mitzuhalten. Innovation werde ständig gefordert und zahlreiche Rankings der besten Künstler*innen und teuersten Werke würden einen Kunstbetrieb befeuern, „der sich zunehmen über Sichtbarkeit, Erfolg und Marktwert definiert.“ Das hört sich schon nach harter Kritik am Kunstbetrieb an, die nicht ganz neu ist, aber so deutlich selten geäußert wird. Haben wir es nun bei dieser Ausstellung mit einer Persiflage oder eher mit einer Antwort zu tun? Vielleicht beides, vielleicht auch mehr. Das Statement des amerikanischen Künstlers Dan Graham,…