Fragen zur Zeit
Von Deals und Dealern
Aufkleber als Spiegel einer „Weltseele“, die sich gedreht hat, und die sich wandelnde Semantik eines Begriffs
von Michael HÜBL
Wie stark und schnell doch Worte ihre Bedeutung ändern können. Als ‚Dealer‘ wurden (und werden weiterhin) Leute bezeichnet, die mit illegalen Drogen handeln. Mindestens mit der zweiten Amtszeit von Donald Trump hat sich das semantische Feld erweitert. Der vormals 45., nunmehr 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und seine Sachwalter setzen, wie sie immer wieder betonen, auf ‚Deals‘. Wobei sich Trump nicht ‚Dealer‘ nennt. Vielmehr bezeichnet er sich als ‚Dealmaker‘. So oder so, unabhängig von der Begrifflichkeit, entsteht der Eindruck, als sollte in den USA ,Democracy‘ umgewandelt (oder umgebaut) werden in eine ‚Dealocracy‘.
Dealer im alten, noch nicht politischen Sinn und im großen Stil bildeten eine der Gruppen, auf die eine Maßnahme der Europäischen Zentralbank (EZB) zielte. Ende 2018 zog die Institution einen Schlussstrich unter die Produktion von 500-Euro-Noten. Wollte Maria Eichhorn abermals, wie bei der documenta 11 einen 100 Stück umfassenden Stapel der violett schimmernden Scheine ausstellen, dürfte sie Mühe haben, druckfrische Exemplare zusammenzutragen. Andererseits gewinnt die als „Maria Eichhorn Aktiengesellschaft“ konzipierte Arbeit, die 2007 an das Van-Abbe-Museum in Eindhoven verkauft wurde, als historisches Dokument zunehmend an Wert, denn irgendwann werden die hinter Panzerglas ausgestellten Zahlungsmittel überhaupt nicht mehr in Umlauf sein.
Eine finanzielle Wertsteigerung – so hat es die Künstlerin festgeschrieben – ist ausgeschlossen, wenigstens, was das Stammkapital anbelangt: Es darf nicht verändert werden. Auf diese Weise entsteht über die Jahre ein Spagat zwischen dem…