Wash time free of pastness
Autofiktion in den Arbeiten von Kaare Ruud
von Kristian Vistrup Madsen
Gedächtnistheater
Das Bild auf dem Poster zeigt einen umgestürzten Lastwagen auf der Autobahn. Kaare Ruuds Ausstellung im Hordaland Kunstsenter trägt den Titel Weather Forever.1
Wir erfahren, dass der Künstler früher mit seinem Vater Ausflüge zu verschiedenen Überschwemmungsgebieten unternommen hat und dass diese Ausflüge eine Reihe von Landschaftsfotografien hervorgebracht haben. Ein umgestürzter Lastwagen. Ein Haus, das aus seinem Fundament gerissen wurde. Im Standardformat von 10 × 15 cm sollen die Fotos eher der Erinnerung als der Geschichte dienen; dem Selbst, nicht der Kunst. Das Wasser besitzt Kraft, es spült fort, aber Weather Forever hält an der Szene fest: die Überschwemmung als Ausnahmezustand. Was machen wir mit diesem Bild? Wie bewerten wir seine Verbindung zur Realität?
Ruud (geboren 1993 in Norwegen) arbeitet hauptsächlich mit Skulpturen. Alltägliche Gegenstände wie Lederschuhe, Möbel, Uhren und Kleidung werden durch Inszenierung, Wiederholung und Neukonfiguration in ein fremdes Licht gerückt. Schwarze Herrenschuhe bilden einen Kranz, Schultische stehen auf hochragenden Beinen und Fotografien werden von einem nur wenige Millimeter breiten Schlitz in einem Passepartout eingerahmt. Die Objekte sind keine Simulakren, die aufgrund ihres semiotischen Werts verwendet werden, sondern persönlich und in dieser Hinsicht auratisch. Obwohl diese Gesten absurd erscheinen mögen, wirken sie seltsam echt, sogar aufrichtig. Es handelt sich nicht um eine skulpturale Spielerei, sondern um einen ernsthaften Vorschlag. Was genau vorgeschlagen wird, hat meiner Meinung nach mit den Beziehungen zwischen Erinnerung und Realität, Selbst und Kunst zu tun.
In Weather Forever finden wir die Fotografien aus den Überschwemmungsgebieten…
IN DIESEM ARTIKEL
Kernperson
Kaare RuudWeitere Nennungen
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