Would you like to eat my heart?

Malerei und Autofiktion im Werk von Agata Słowak.
von Natalia SIELEWICZ

Während meiner Studienzeit in London Anfang der 2000er-Jahre fand ich meinen ersten Zugang zur Kunstwelt – unerwarteterweise – durch Stille. Ich antwortete auf eine Gumtree-Anzeige, in der 30 Pfund pro Stunde für das Posieren für Gemälde angeboten wurden. Der Maler Noel, faszinierte mich sofort: Er hatte in den Vereinigten Staaten und der Karibik gelebt, war für den BP Portrait Award in der National Gallery nominiert worden und hatte in der Medici Gallery ausgestellt – Namen und Orte, die in meiner naiven Vorstellung als Studienanfängerin Prestige ausstrahlten.

Ich war gerade von meinem Job im Restaurant gefeuert worden und nach einem Vorsprechen in einem Pole-Dance-Klub abgelehnt worden, also nahm ich den Bus vom East End nach Brixton, getrieben von einer Mischung aus Neugier und Notwendigkeit. Noels Atelier befand sich in einem braunen Backsteinhaus, dessen Fenster von nikotinfarbenem Licht durchzogen waren. Noel selbst – Pronomen El / Admirante, „der Admiral“ – war ein charismatischer Mann in den Dreißigern: schwul, ironisch, zärtlich, arrogant. Seine Gemälde, die auf ihre Weise grotesk waren, faszinierten und stießen mich zugleich ab. Dennoch entstand zwischen uns eine gewisse Spannung – ein Vertrauen, das über die Beziehung zwischen Modell und Maler hinausging.

Wir erschaffen kuratierte, oft unrealistische Versionen von uns selbst für ein unsichtbares Publikum und passen unser Image an die sich wandelnden Normen der algorithmischen Kultur an.

— Byung-Chul Han

Noel liebte Kostüme. Sein Atelier wurde zu einem kleinen Theater unfreiwilliger Darbietungen: Ich stand stundenlang in…

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