Xie Nanxing

Ich liebe Dada
von Noemi SMOLIK

Gut eine Stunde Taxifahrt vom Zentrum Beijings entfernt befindet sich das Studio von Xie Nanxing. In einem Viertel, das um 2010, als Ai Wei Wei sich hier niederließ, entstand. Niedrige Häuser, gerade, von Läden und Cafés gesäumte Straßen. Es ist noch früh am Tag, man begegnet kaum jemandem. Aber vielleicht ist es auch die ungewöhnliche Kälte, die das Viertel wie ausgestorben wirken lässt.

Durchgefroren betrete ich einen großen Raum und mir gegenüber steht Xie Nanxing. Ein zurückhaltender Mann mit neugierigem Blick hinter einer runden Brille und einem einnehmenden Lächeln. Liang Yaqi, die Mitarbeiterin der Schweizer Galerie Urs Meile, die auch in Beijing vertreten ist, begleitet mich als Dolmetscherin. Ich sehe mich um, gehe entlang der Wände, an denen Bilder lehnen. Nur zwei nebeneinanderstehende Bilder zeigen ihre Vorderseite. „Ja, es sind die letzten Bilder“, antwortet Nanxing auf englisch. Doch dann wechselt er ins Chinesische. Das Gespräch entwickelt sich zögerlich. Die Bilder sind Teil einer Serie, für die er noch keinen Titel habe. Das eine Bild zeigt einen Motorradfahrer das andere könnte ein abstraktes Bild sein. „Ja und nein“, meint Nanxing. Eigentlich zeig es Menschen, die vom Ufer auf das Wasser vorne im Bild blicken. Abstrakt, figurativ, ich bohre weiter. „Es geht weniger darum, ob sie abstrakt oder figurativ sind, es geht um den Entstehungsprozess“.

Und der ist tatsächlich ungewöhnlich. Zuerst fertigt Nanxing eine kleine Zeichnung. Die fotografiert er und anschließend vergrößert er sie. Das vergrößerte Foto projiziert er auf eine Leinwand, allerdings von hinten. Das die Leinwand…

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