Bad Beuys go Afrika - Gruppe "Frankfurter Hauptschule" bekennt sich zu Kunstdiebstahl – www.kunstforum.de

Bad Beuys go Afrika - Gruppe "Frankfurter Hauptschule" bekennt sich zu Kunstdiebstahl

22. Oktober 2020 · Kulturpolitik

Weil er einen sudanenischen Begräbnispfahl aus dem Pariser Musée du Quai Branly Jacques Chirac entwendete, wurde kürzlich der aus dem Kongo stammende Aktivist Mwazulu Diyabanza von einem Pariser Gericht zu 1.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Zwei Mittäter erhielten eine Geldstrafe von je 500 Euro. Diyabanza wirft Frankreichs Museen vor, 90.000 Objekte des afrikanischen Kulturerbes zu horten. Das nach eigenen Angaben etwa 20-köpfige Künstlerkollektiv „Frankfurter Hauptschule“ tat es dem Pariser Aktivisten-Trio gleich und brüstete sich damit, aus einer Ausstellung des Theaters Oberhausen die Beuys-Skulptur „Capri-Batterie“ gestohlen und nach Tansania gebracht zu haben. „Bad Beuys go Afrika“ nennt die Gruppe die Aktion. Was nun das Beuys-Werk ganz konkret mit Raubkunst aus Afrika und Restitutionspolitik zu tun haben soll, erschließt sich aus dem Bekennerschreiben nicht. Gewiss weist die Biografie von Joseph Beuys Brüche und Widersprüche auf, aber ihn einfach als „alten Nazi-Schamanen“ abzuqualifizieren, wirkt reichlich oberflächlich und undifferenziert. Abgesehen davon, dass die Rechtsprechung den juristischen Straftatbestand der „verbotenen Eigenmacht“ kennt, ist es politisch schon ein gewaltiger Unterschied, ob ein gebürtiger Afrikaner als „Rückholer“ auftritt (wie das „Neue Deutschland“ Mwazulu Diyabanza nennt), oder ob eine Gruppe europäischer Nachwuchskünstler sich anmaßt zu entscheiden, was an Artefakten nach Afrika zurück gehöre. Die Polizei ermittelt zwar wegen Diebstahls, doch in der Presseberichterstattung klingen Zweifel an, ob die Aktion überhaupt stattgefunden hat oder nur ein Fake ist, um Aufmerksamkeit zu erregen. „Ein Video soll zeigen, wie das Werk ‚Capri-Batterie‘ nach Afrika gebracht wird“, meldet RP-Online mit distanzierendem Unterton, und die „Süddeutsche Zeitung“ gelangte bei der Betrachtung der Pressefotos, die die „Frankfurter Hauptschule“ verbreitete, zu der Erkenntnis: „Ob es sich um das Kunstwerk aus Oberhausen handelt, ist allerdings nicht zu erkennen“.


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