Before Tomorrow – 30 Jahre Astrup Fearnley Museet, Oslo

20. Juli 2023 · Museen
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Direkt am Wasser, dort wo die Stadt in den Fjord übergeht, eröffnete 2012 das von dem italienischen Architekten Renzo Piano entworfene Astrup Fearnley Museum im Hafengebiet Oslos.

Das sich wie ein Segel über die Spitze von Tjuvholmen (die „Diebesinsel“) spannende Dach des Museums ist mittlerweile zu einer architektonischen Ikone der Stadt geworden. Es verbindet die beeindruckende Architektur mit dem dazugehörigen Skulpturenpark, einer Rasenfläche hinter dem Museum, auf der Werke u.a. von Franz West und Louise Bourgeois stehen und die direkt neben einem kleinen Stadtstrand als Liegewiese benutzt wird und somit das Museum ins Leben der Bewohner- und Besucher*innen öffnet. Die private Sammlung, eine Fusion der Nils Astrup und der Thomas Fearnley Foundations, gegründet 1993 und bis 2012 in den Geschäftsräumen des Schiffsmaklers und Kunstsammlers Hans Rasmus Astrup beheimatet, ist nun in zwei Gebäudeteilen beherbergt, die, auf beiden Seiten eines Kanals liegend, mit einer Brücke verbunden sind. Beginnend mit US-amerikanischer Appropriation-Art in den 1960ern hat der 2021 verstorbene Hans Rasmus Astrup kontinuierlich amerikanische und internationale zeitgenössische Kunst gesammelt, von Jeff Koons, Damian Hirst oder Cindy Sherman, Douglas Gordon, Shirin Neshat und Klara Líden bis Robert Gober, Olafur Eliasson, Rachek Harrison oder Ibrahim Mahama. Mit mehr als 100 Werken zeigt das Museum anlässlich des 30-jährigen Bestehens nun eine Auswahl aus den Beständen der 1500 Werke zählenden Sammlung.

Die auf 4000 qm insgesamt großzügig präsentierten Arbeiten der Ausstellung bestehen sowohl aus populären Stücken wie z.B. Jeff Koons Michael Jackson mit seinem Affen Bubble, der größten Porzellanskulptur der Welt, die Astrup im Jahr 2001 für 51 Millionen Kronen ankaufte sowie weiteren bekannten Werken aus den 1980er und 90er Jahren wie Matthew Barneys Cremaster-Serie, Cindy Shermans Film Stills oder Bruce Naumans Neonschriften. Man kann hier aber auch einige Entdeckungen unbekannterer oder in den letzten Jahrzehnten weniger sichtbarer Werke machen. So hat das Museum die science-fictionhafte Installation mit Einhorn rekonstruiert, die auch Motiv der Ausstellung geworden ist: My Private Sky des norwegischen Künstlers Børre Saethre, die hier 2001 schonmal zu sehen war und jüngst in die Sammlung eingegangen ist. Auch Rachel Harrisons Haycation hat hier erneut einen Platz gefunden und Kara Walkers Scherenschnitt-Wandgestaltung The Sovereign Citizens Sesquicentennial Civil Celebration von 2013 wurde noch einmal im Hauptausstellungsraum angebracht. Außerdem finden sich zahlreiche Werke norwegischer Künstler*innen, wie z.B. die Installation The same Rope that hung you will pull you up in the End des norwegischen Sami-Künstlers Joar Nango oder Arbeiten von Torbjørn Rødland, dessen provokant-komische Fotografien schon längst international gezeigt werden. Im Obergeschoß schließlich glitzern unzählige in glänzend blaues Papier gewickelten Bonbons des kubanischen Künstlers Felix Gonzales-Torres vor dem großen Panoramafenster wie Meerwasser in der Sonne und leiten zum Ende der Ausstellung mit einem spektakulären Blick auf den Oslofjord, auf das Wasser, die Inseln und die Segelboote zurück nach draußen – wo man direkt nochmal zum Baden ins Meer springen kann.

Ann-Katrin Günzel

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