Berlin: Klanginstallation von Emeka Ogboh am Humboldtforum

30. Dezember 2021 · Aktionen & Projekte
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Der Künstler Emeka Ogboh hat auf der Dachterrasse des Berliner Humboldt Forums eine Klanginstallation mit dem Titel „Der Kosmos – Things Fall Apart“ realisiert. Sie besteht aus Aufnahmen von zwölf Gesangsstimmen mit der Neuinterpretation eines traditionellen Lieds des Igbo-Volkes in Nigeria sowie Zeilen aus dem Roman „Alles zerfällt“ von Chinua Achebe. In dem Roman geht es um die Auswirkung der Kolonialgeschichte auf das Igbo-Volk. „Die Installation lenkt den Blick des Publikums auf die Inschrift und das Kreuz der Kuppel als Emblem der spirituellen Kolonisierung“, erklärt Ogboh dazu. Das Humboldtforum ist ein Nachbau des Berliner Stadtschlosses, das seit 1443 Hauptresidenz der Hohenzollern war. Friedrich I. ließ es zwischen 1698 und 1713 im Barock-Stil umbauen, und um das Jahr 1848 ließ Friedrich Wilhelm IV. noch eine Ergänzung mit Kuppel und Kreuz, Kapelle und Inschrift vornehmen: der Monarch war zugleich oberster Bischof der evangelischen preußischen Staatskirche – das meint Emeka Ogboh mit der Formulierung, der Bau sei auch ein „spirituelles Zentrum“ mit Auswirkungen auf die deutsche Kolonialgeschichte gewesen. Die missionarische Inschrift „Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind“, vom König seinerzeit selbst mit Zitaten aus einem biblischen Paulus-Brief komponiert, ist heute nicht nur als religiös-ideologische Legitimation der Unterwerfung der Kolonialvölker im 19. Jh. umstritten, sondern auch noch in anderer Hinsicht ein Politikum. So moniert die db-Deutsche Bauzeitung, der Text habe „einen deutlich antikatholischen und antiorthodoxen Unterton“, er sei zudem auch „geradezu militant antijüdisch“, denn er wende „sich gegen das Versprechen von religiöser und gesellschaftlicher Gleichberechtigung, wie es in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776, der französischen Verfassung von 1791 und der deutschen von 1848 Form gefunden hat.“ Emeka Ogboh setzt daher dem Kuppelkreuz und der Inschrift das „volkstümliche Lied und den Gesang“ entgegen als eine „Metapher, was geschieht, wenn der kosmische Anker der Menschen, ihr Zugang zum Übernatürlichen, verletzt und durch eine fremde geistige Kraft ersetzt wird“. https://www.humboldtforum.org

Dazu in Band 277 erschienen:

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