Berlin: Ungewissheit über Termin für Iran-Ausstellung

9. November 2016 · Kulturpolitik
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Große Spannung herrscht derzeit bei der Berliner Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ob die Ausstellung mit Werken aus der Sammlung des früheren Schahs von Persien wie geplant im Dezember 2016 in der Berliner Gemäldegalerie stattfinden kann. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte diese Werkschau bei seinem Teheranbesuch vereinbart, doch kürzlich hatte der iranische Präsident Hasan Rohani sein Kabinett umgebildet: Ali Jannati, iranischer Kulturminister, trat im Oktober 2016 von seinem Amt zurück. Der Kulturminister muss allerdings die Ausfuhr der Leihgaben nach Berlin bewilligen, und angesichts der „Veränderungen im Ministerium“ berichtete Rbb-Kulturradio, der ursprünglich für den 4. Dezember 2016 avisierte Eröffnungstermin sei nun wohl „nicht mehr gesichert“. Als Kulturminister hatte sich Jannati zwischen alle Stühle gesetzt, denn er wurde sowohl von den Reformern als auch von den Konservativen angegriffen. Die einen nahmen ihm übel, dass er dem Imam Ahmad Alamalhoda nachgab, der durch einen Staatsanwalt ein Konzert in einer Pilgerstadt verbieten ließ, was der Minister mit den Worten kommentierte, er wolle dies akzeptieren. Die anderen attackierten ihn hingegen, weil er die Übersetzung des Comics „Blau ist eine warme Farbe“ der französischen Autorin Julie Maroh erlaubt hatte, bei dem es um zwei lesbische Mädchen geht. Auch bei der Filmzensur eierte der Minister zwischen Konservativen und Liberalen herum. Konservative Abgeordnete forderten 2014 ein Aufführungsverbot für den Film „Ghessesah“ von Rakhshan Bani-E’temad, den auch Jannati zunächst kritisierte, um seinen Inhalt später als „unproblematisch“ zu bewerten. Im März 2017 stehen im Iran Präsidentschaftswahlen an. Der Kulturkonflikt zwischen den konservativ-religiösen Hardlinern und den Reformern wird den Wahlkampf auch personell prägen: gegen Rohani, der bei der letzten Wahl 2013 sowohl von Reformern als auch von gemäßigten Konservativen unterstützt wurde, bringt sich für den kommenden Wahlgang ausgerechnet sein Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad in Stellung, der in seine Amtsführung mit einer aggressiven Atompolitik gestaltete.

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