Biennale-Künstlerin Henrike Naumann verstorben
Henrike Naumann, deren Arbeiten gemeinsam mit denen der Künstlerin Sung Tieu Deutschland auf der diesjährigen 61. Biennale in Venedig repräsentieren wird, ist am 14. Februar 2026 mit nur 41 Jahren an einer zu spät diagnostizierten Krebs-Erkrankung im Kreis ihrer Familie und Freund*innen verstorben, wie ihre Angehörigen mitteilen.
Bis zuletzt arbeitete Henrike Naumann an ihrem Herzensprojekt, ihrer Arbeit für die Venedig-Biennale, eine der bedeutendsten Stationen ihres künstlerischen Schaffens. Es war ihr wichtig, die Arbeit konzeptionell zu vollenden und fertig zu stellen, damit sie gemäß ihrer künstlerischen Vision in Venedig umgesetzt wird. “Ihr Tod hinterlässt eine schmerzhafte Lücke – nicht nur in der Kunstwelt, sondern auch in unserer Arbeit als Institution im internationalen Kunstaustausch” teilte das ifa, das Institut für Auslandsbeziehungen, mit, das für den Deutschen Pavillons zuständig ist.
Im sächsischen Zwickau 1984 geboren, studierte Naumann Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und Szenografie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Sie “wechselt vom Bühnenbild zur Bildenden Kunst, um die von ihr selbst erfahrene Zerreißprobe einer zwischen großartigen Erwartungen und bitteren Enttäuschungen taumelnden Gesellschaft in Räume zu versetzen, die allzu selbstgewisse Wahrnehmungen auch in der Kulturszene auf die Probe stellen” schreibt Annelie Pohlen im KUNSTFORUM International (Bd. 254) anlässlich der Ausstellung “2000… und der ganze Rest” im Museum Abteiberg in Mönchengladbach (2018).
Naumann entwickelte in kurzer Zeit ein sehr eigenständiges Werk, in dem sie sich in installativen Arbeiten mit Formen rechter Gewalt, der Geschichte der DDR und der Nachwendezeit sowie aktuellen politischen Spannungen beschäftigte. Die Installationskünstlerin thematisierte auf besondere Weise Zusammenhänge von Objekten, Möbelstücken und Inneneinrichtung mit soziopolitischen Fragestellungen. Daher wurde Henrike Naumann besonders für raumfüllende Einrichtungs-Installationen mit Möbeln aus den 1990er-Jahren bekannt, die sie in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Umbruchsituationen brachte. Die Ereignisse um die Enttarnung des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) nach der Brandstiftung und Festnahme von Beate Zschäpe im November 2011 nannte sie als Schlüsselerlebnis für ihren künstlerischen Werdegang.
Dazu in Band 277 erschienen: