Das kuratorische Team der 61. Biennale di Venezia gibt ihr Programm bekannt

25. Februar 2026 · Biennalen

Vom 9. Mai bis 22. November 2026 findet in Venedig die 61. Biennale mit dem Titel „in minor keys” statt. Heute hat das kuratorische Team, das von der letztes Jahr im Mai verstorbenen Kuratorin der Hauptausstellung, Koyo Kouoh bestimmt wurde, das Programm bekannt gegeben.

Koyo Kouoh wurde im November 2024 als künstlerische Leiterin der Abteilung für Bildende Kunst der Biennale di Venezia nominiert. Sie entwickelte damals bereits das kuratorische Programm, das jetzt auch umgesetzt werden wird, definierte den theoretischen Rahmen, wählte die Künstler*innen und die Kunstwerke aus, sie beauftragte die Autor*innen des Katalogs, bestimmte das visuelle Erscheinungsbild der Ausstellung sowie die Architektur der Ausstellungsräume und ging auch bereits in den Austausch mit den eingeladenen Künstler*innen. Nach ihrem vorzeitigen Tod im Mai 2025, beschloss die Biennale di Venezia mit der Unterstützung ihrer Familie, ihre Ausstellungsideen so wie sie von ihr geplant waren, durchzuführen, um die Arbeit, die sie mit so großem Engagement verfolgte, zu bewahren, zu verbessern und zu verbreiten. Das von ihr bestimmte Team setzt sich zusammen aus: Gabe Beckhurst Feijoo, Marie Hélène Pereira und Rasha Salti (Berater); Siddhartha Mitter (Chefredakteur); und Rory Tsapayi (Forschungsassistent). Sie präsentierten heute in der Ca’ Giustinian, dem Hauptsitz der Biennale, das zusammen mit Koyo Kouoh geplante Konzept, das sie bei einem Treffen in Dakar im April 2025 in dem von Kouoh gegründeten Kulturzentrum RAW Material Company erarbeitet hatten. Diese Form der Zusammenarbeit, so erläuterte es Gabe Beckhurst Feijoo heute, bleibt symbolisch für die Art und Weise, wie Kouoh kuratorische Praxis konzipierte: in Beziehungen verankert und offen für das Unerwartete.

„Diese Woche in Dakar” – erklärte Koyos Team – „war eine erbauliche Woche”, die die Ausstellung definierte und prägte. „Wir haben Praktiken und Projekte kartiert, Resonanzen, Affinitäten, Synchronizitäten und Gespräche identifiziert, wir haben Motive extrahiert, um die Ausstellung und Säulen zu strukturieren, auf die wir sie zeichnen können. Begriffe wie Verzauberung, Aussaat, Gemeinsamkeit und generative Praktiken, die zu Kollektivität einladen, entstanden organisch. Am letzten Tag unserer Tagung, nachdem wir damit gerechnet hatten, dass wir den gewaltigsten Meilenstein erreicht hatten, wies Koyo jedem von uns Aufgaben zu. Die Ausstellung hatte ihre manifesten Formen gefunden, sie war nicht mehr Absicht, noch Abstraktion. Wir konnten die Musik hören, die sie so anmutig mit uns unter der großzügigen Vormundschaft des Mangobaums komponierte”, hieß es bei der Pressekonferenz.

Koyos Team mit Mitgliedern in verschiedenen Städten auf der ganzen Welt – Gabe in London, Marie Hélène zwischen Dakar und Berlin, Rasha zwischen Beirut und Marseille, Rory in Kapstadt und Siddhartha in New York City – hat in den letzten Monaten die Produktion der Ausstellung fortgesetzt. Remote-Arbeit durch Online-Meetings, kombiniert mit persönlichen Seminaren, die im Mai und Oktober 2025 in Venedig und im Juni 2025 in Dakar stattfanden, ermöglichten es dem Team, an der Biennale zu arbeiten und gleichzeitig auf mehreren Kontinenten verteilt zu sein. „Daraus entstand ein intensiver, vielschichtiger und tief geteilter Prozess, in dem jeder Beitrag die kollektive Konstruktion der Ausstellung bereicherte.”

Insgesamt werden 111 Künstler*innen, kollaborative Duos, Kollektive, und Künstler*innen geführte Organisationen an der Hauptausstellung der Biennale beteiligt sein. „Mit Blick auf Künstler*innen, die beispielsweise in Salvador, Dakar, San Juan, Beirut, Paris oder Nashville arbeiten, versuchte Koyo sich vorzustellen, wie deren Einfallsreichtum, die Bandbreite ihrer materiellen Experimente und ihre visionären Ideen gleichzeitig Verbindungen zu anderen Künstler*innen und Bewegungen herstellen. In diesem Sinne erweitert In Minor Keys Koyos relationale Geografie der Begegnungen mit Künstler*innen im Laufe ihres Lebens”, heißt es. Mehrere konzeptionelle Motive sollen die Ausstellung nicht als Abschnitte sondern als „unterschwellige Prioritäten” strukturieren. Dazu gehören die „Shrines“ – in denen die Praktiken von Issa Samb und Beverly Buchanan im Vordergrund stehen sollen, ohne dabei einen retrospektiven Impuls zu überschreiten;„Prozessions”, die den Körper in den Vordergrund stellen sollen ; „Enchantments” angesichts des Zynismus darüber, was Kunst bewirken kann; spirituelle und körperliche Erholung, die durch „Oasis” – die Schlüssel oder kleinen Inseln der Universen von Künstler*innen – ermöglicht wird; und schließlich Koyos Engagement für den Aufbau von künstlerzentrierten Institutionen oder „Schools“, in denen Energie und Ressourcen für soziale Zwecke eingesetzt werden.

Die Voreröffnung der Biennale, die wie sonst auch in den Giardini, den Arsenale und verschiedenen Orten im Stadtgebiet angesiedelt ist, findet am 6., 7. und 8. Mai statt, während die Preisverleihung und die Einweihung am Samstag, den 9. Mai 2026, stattfinden. Aufgrund der fehlenden Zeit hat Koyo Kouoh keine Löwengewinner*innen, die für ihr Lebenswerk geehrt werden, bestimmt, die damit dieses Jahr erstmals nicht benannt werden.


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