Digitales Sinti und Roma-Archiv

21. April 2017 · Kulturpolitik
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Die Kulturstiftung der Bundes fördert mit 3,75 Millionen Euro den Aufbau eines digitalen RomArchivs über die Kunst der Sinti und Roma. Initiiert haben dieses Projekt Franziska Sauerbrey und Isabel Raabe, die gemeinsam ein Kulturbüro betreiben. Als 2012 ein Mahnmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma im Berliner Tiergarten eingeweiht wurde, hatten Raabe und Sauerbrey im Auftrag des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma das kulturelle Begleitprogramm mit organisiert. Dabei fiel ihnen auf, dass bis auf die Czardas-Volksmusik der ungarischen und rumänischen Roma oder den Jazz des Gitarristen Django Reinhard (1910-1953) einer breiten Öffentlichkeit die reichhaltige Musiktradition, Kunst, Theater und Literatur dieser beiden Volksgruppen kaum bekannt ist. Immerhin leben heute 12 Millionen Sinti und Roma in Europa, und für das RomArchive erforschen derzeit 15 Kuratoren deren Kultur: die ungarische Kunsthistorikerin Tímea Junghaus, die 2007 den Roma-Pavillon auf der Biennale Venedig kuratiert hat, betreut für die Sammlung den Archivbereich Bildende Kunst. In Berlin tagt regelmäßig der 15köpfige Beirat unter dem Vorsitz der rumänischen Roma-Aktivistin Nicoleta Biti. Er erarbeitet Richtlinien für das RomArchive, wiewohl die Definition, was Roma Art ist und wer als Roma Künstler einzustufen ist, schwierig ist. Die ethischen und kuratorischen Richtlinien sollen garantieren, dass die Arbeit am Archiv einem „strukturellen Rassismus“ und „antiziganistischen Darstellungen“ entgegen wirken kann – denn noch immer prägen bei vielen Zeitgenossen eher die folkloristisch verkitschten Operetten-Klischees à la „Der Zigeunerbaron“ das gängige Bild von der Kultur der Sinti und Roma. Mit Online-Ausstellungen will das Archiv ab 2018 seine Rechercheergebnisse öffentlich vorstellen; 2020 läuft die Förderung durch die Bundeskulturstiftung aus, und dann ziehen sich auch die Initiatorinnen Raabe und Sauerbrey zurück. Bis dahin soll sich der Beirat darauf geeinigt haben, welcher Institution, die von Sinti und Roma geleitet wird, das Archiv anvertraut wird.

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