Documenta: Mehr israelkritische Verstrickungen entdeckt

14. Juli 2022 · Kulturpolitik
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Während die Documenta-Generaldirektorin Dr. Sabine Schormann mit einem Statement in die Offensive ging, erwähnte die „Süddeutsche Zeitung“ im gleichen Atemzug „Neue Enthüllungen“; und „Die Welt“ sprach von „neuen Ausmaßen des Antisemitismus-Skandals“: es gäbe „mehr israelkritische Verstrickungen von documenta-Beteiligten… als bislang bekannt.“ So hätten mindestens 84 Teilnehmer der diesjährigen documenta „Aufrufe zum Israel-Boykott unterschrieben“. Die Auflistung umfasst 7 Mitarbeiter „aus der künstlerischen Leitung, der kuratorischen Assistenz, der Programmkoordination sowie aus dem Beirat und weitere 67 Kunstschaffende, Aussteller und Kuratoren…“ Dennoch hält Meron Mendel, Leiter der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt/Main, an einer differenzierenden Sicht der Dinge fest, als er in der „hessenschau“ erklärte: „Man sollte nicht die gesamte Ausstellung als antisemitisch erklären. Es gibt 1.500 Künstlerinnen und Künstler in Kassel, die wunderbare Arbeiten machen. Und dass sie alle jetzt wegen eines Skandals ins schlechte Licht gerückt werden – das ist einfach tragisch… Es ist die Aufgabe der documenta-Leitung, sich schützend vor diese Künstlerinnen und Künstler zu stellen“. Es ginge nicht darum, „dass die documenta 15 jetzt komplett untergeht, sondern es geht darum, ein Stoppschild hoch zu halten“. Die Kontroverse focussiert sich längst nicht mehr ausschließlich um ein umstrittenes Bild und um die politische Haltung Einzelner im d-15-Team, sondern in grundsätzlicher Weise auf die Grenzen der Kunst- und Meinungsfreiheit, auf Kunst und politischen Aktivismus, auf den Konflikt zwischen gewünschter Vielfalt und realer Ausgrenzung. „Deutschlandfunk Kultur“ ließ die israelische Kuratorin Galit Eilat zu Wort kommen: „Ich glaube durchaus, dass es einen stillen Boykott gibt“. Umgekehrt bedeute dies aber nicht,, „dass israelische Künstler überhaupt dabei sein müssen oder eingeladen werden müssen“. Der „stille Boykott“ verfehle freilich sein Ziel, „die Besatzung zu beenden“, denn er nähme „israelischen Künstlern… die Möglichkeit, sich pro-palästinensisch zu äußern, was ja vielleicht in Einzelfällen der Fall sein könnte.“ Einen Tabubruch sieht der „Focus“ hingegen auch darin, wie hier zu Lande die Politik mit der Skandalisierung der Documenta umgeht: „Der Tabubruch besteht darin, dass die allerhöchste Politik erstmalig offensiv der Kunst abspricht, alles zu dürfen“.

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