Documenta: Streit um Merchandising-Artikel

16. Mai 2022 · Kulturpolitik
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„Der Chef ist sauer“, meldete die HNA-Hessisch-Niedersächsische Allgemeine über ein geplatztes Geschäft der Modefirma Melawear, die „Merch-Produkte für die Documenta herstellen sollte“. 15.000 Shirts, Hoodies und Stofftaschen sollten ähnlich wie die Fanartikel im Sport als Merchandising-Produkte das Documenta-Spektakel finanziell einträglich begleiten – allerdings „alles mit Fairtrade- und Bio-Siegeln in Indien produziert“, wie es heißt. Doch nach einjähriger Zusammenarbeit kam kein Vertrag zustande. Firmeninhaber Henning Siedentopp investierte in die Entwicklung 20.000 Euro, für die er nun keine Re-Finanzierung erwarten kann, weshalb er sich „als kleines Unternehmen von der Documenta ins finanzielle Risiko gedrückt“ fühlt, denn „die Artikel für die documenta-Besucher liefern nun andere“. Während Siedentopp der kaufmännischen Abteilung der Documenta Unprofessionalität vorwirft, ist seitens der Documenta von „schwierigen Vertragsverhandlungen“, „kurzfristig erhöhten Konditionen“ und „zwischenmenschlichen Unstimmigkeiten“ die Rede. In der Tat ist es nicht „ungewöhnlich“, dass Vertragsverhandlungen „nicht zum Erfolg führen“, wie man auf Documenta-Seite meint. Doch Henning Siedentopp befürchtet nun sogar, „dass sie unsere Arbeitsergebnisse und gemeinsam entwickelten Designs klauen werden, um einen Merch mit minderer Qualität anzubieten“. Die Documenta dementiert dies freilich. „Das Design, das auf Merch-Artikeln verwendet wird, stamme von den Designern der Kunstschau“, reportiert die HNA die Sichtweise der Documenta. Melawear ist nicht die einzige Design-Firma, die mit nachhaltigen Produkten mit der Documenta ins Geschäft kommen will. Die Baunataler Werkstätten z.B. sind mit Gürteltaschen aus alten Jeans im Documenta-Shop vertreten, und das lokale Modellabel „Soki“ mit „bunten Shorts und Täschchen“. Wirtschaftliche Sekundäreffekte waren für Kasseler Gastronomen, Hoteliers, Taxifahrer, Buchhändler und eben auch Souvenirartikelhersteller schon bei den früheren Documenta-Ausgaben 100 Ausstellungstage lang immer ein wichtiges ökonomisches Beiwerk gewesen. Derlei Devotionalenhandel wird es also auch diesmal geben, wenn auch eben mit nachhaltigeren Produkten als früher: kaufmännisches Verwertungsinteresse und das indonesische „lumbung“-Prinzips des kollektiven Teilens schließen sich nicht gegenseitig aus.

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