Foto- und Videopionierin Barbara Leisgen gestorben

16. Mai 2017 · Personalien
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‚Magier des Lichts‘ werden die Künstler Barbara und Michael Leisgen genannt, denn es ist in der Tat der immaterielle Stoff Licht, mit dem das Fotografen-Paar arbeitet; es spürt dem Phänomen Licht in Fotos und frühen experimentellen Videos nach, in der Natur, in lebendigen Wesen und Gegenständen, in Geschichte, Philosophie und Mythos. Nun ist Barbara Leisgen als eines der Künstler-Lichter erloschen: sie starb am 24. April 2017 in Aachen. Dies ist umso bedauerlicher, als die Foto- und Videopioniere mittlerweile auch in den USA Fuß gefasst und gerade an großen Ausstellungen wie „Sublime – Les Tremblements du Monde“ im Centre Pompidou – Metz 2016 und „The Sun Placed in the Abyss“ im Columbus Museum of Art 2016/17 teilgenommen hatten. Aber vor allem waren sie selbst nochmals zu neuen Ufern gestartet. Barbara Leisgen, geboren 1940 in Gengenbach/Baden, lernte Michael während ihres Kunststudiums in Karlsruhe in den 60er Jahren kennen. Bereits 1970 stellten beide gemeinsam aus und, umgezogen in den deutsch/belgischen Grenzraum, verschaffte Wolfgang Becker den Beiden 1974 mit der Ausstellung „Mimesis“ in der „Neuen Galerie-Sammlung Ludwig“ Aachen ein größeres Podium; spätestens 1975 gelang ihnen durch ihre Ausstellung im Palais des Beaux-Arts, Bruxelles und ihre Teilnahme an der Biennale in Paris der internationale Durchbruch. Seit langem sind die Leisgens mit Arbeiten in bedeutenden Museen Europas vertreten, auffallend prominent in denen Frankreichs: im Centre Pompidou in Paris, im FRAC von Metz und Dijon, in Reims und Stuttgart. Den Anfang nehmen Fotografien, in denen Michael mit der Kamera Barbara einfängt, wie sie als Rückenfigur à la C.D. Friedrich entfernt in der Landschaft stehend mit ihren Armen die Horizontlinie nachzeichnet, die Sonne umarmt oder sie unter ihren Arm nimmt. Was mit derlei mimetischen Posen beginnt, setzt sich in den ‚Sonnenschriften‘ fort: hier zeichnet die Kamera selbst eine Botschaft, indem sie vor der Sonne bewegt wird. In den experimentellen Fotofolgen „Sonnenalphabet“ 1977, „Apokalypse“1979 und „The Last Dance“ 1982 taumeln die orangefarbenen Leucht-Male in bodenlosem Weltenraum. Es ist die Aussagekraft von Zeichen und Symbolen, welche das Künstler-Paar in den unterschiedlichsten Zusammenhängen sichtbar macht, seien es Hieroglyphen (Porträts als Gesichtslandschaften), Sonnenschriften, Gebärden als Hommage an Philosophen (L. Wittgenstein und W. Benjamin) oder kulturelle Riten (Stierkampfserie). Die beiden Künstler übten neben der gemeinsamen Arbeit jeweils auch Lehrtätigkeiten aus: Michael Leisgen unterrichtete als Kunsterzieher in Aachen; Barbara ereilte nach mehreren Gastdozenturen im Jahre 1992 der Ruf als Professorin für Fotografie und Medien an die ‚École Nationale Supérieure des Beaux-Arts de Paris‘, die berühmteste Kunsthochschule Frankreichs. Dort lehrte die geschätzte Kollegin Wand an Wand mit Künstlern wie Christian Boltanski und Annette Messanger und führte ihre Professur mit großem Engagement bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 2005 aus. Renate Puvogel

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