Helen Cammock, Preisträgerin des 7. Max Mara Art Prize for Women

16. Oktober 2019 · Preise
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Der Max Mara Art Prize for Women ist eine der wenigen, ausschließlich Künstlerinnen gewidmeten Förderungen. Wesentlicher Teil des 2005 begonnenen, in Kooperation mit der Londoner Whitechapel Gallery im Zweijahres-Rhythmus vergebenen Preises ist es, dass die Gewinnerinnen sechs Monate lang in Italien leben und recherchieren. Gerade eröffnete in der rund eine Autostunde von Bologna entfernt gelegenen Collezione Maramotti die Ausstellung der 7. Preisträgerin, Helen Cammocks. Maramotti ist die Eigentümerfamilie der Max Mara Fashion Group, die in den oberen Etagen der ehemaligen Produktionshalle ihres Unternehmens ihre Privatsammlung mit rund 200 Exponaten zeigt. Im Erdgeschoß laufen Wechselausstellungen, bis Februar jetzt Cammocks 80 Minuten-Film plus Zeichnungen. Die 1970 in England geborene Künstlerin besuchte in den letzten Monaten quer durch Italien rund 100 Frauen auf ihrer Suche nach „verborgenen, weiblichen Stimmen“, wie sie erklärte. Mit 30 führte sie Interviews und entschied sich zuletzt für 7 Protagonistinnen in ihrem 3-Kanal-Video „Che si puo fare“. Von barocker Musik umrahmt und über drei Leinwände verteilt, kommen nacheinander unter anderem eine Nonne zu Wort, die weiblichen Flüchtlingen hilft, eine Widerstandskämpferin aus Zeiten Mussolinis, eine Übersetzerin von Anti-Apartheid-Texten und eine Pressefotografin, die Mafia-Morde dokumentierte. Sie alle sprechen von Verlust und Widerstand, manche voller Enthusiasmus, manche getragen von Leid. Zwischen die Interviews montierte Cammock tagebuchähnliche Momente, Aufnahmen von Blumen, Architekturen und Alltag. In den weitgehend bedeutungsfreien Impressionen kann man eine verträumte Gegenwelt zu den erzählten Erlebnissen von Leid und Traumata lesen. Oft kommt Wasser ins Bild, am Meer, am Fluss, in Springbrunnen. Es sei vor allem der Sound des Wassers, der sie interessierte, erklärte die Künstlerin. Und immer wieder führt die Reise nach Venedig – die Lagunenstadt sei ein Sinnbild dafür, „dass wir nicht dem zuhören, was wir zerstören“. (SBV)

Helen Cammock, Collezione Maramotti, Reggio Emilia, 13.Oktober 2019 – 16. Februar 2020

http://www.collezionemaramotti.org/en

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