Irak: Kulturgüter zerstört

27. Februar 2015 · Kulturpolitik
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„Kulturkrieg mit dem Presslufthammer“ titelte die Online-Ausgabe des Darmstädter Echos über die Videos, auf denen zu sehen ist, wie Angehörige der Terrormiliz „Islamischer Stadt“ in Mossul und an der Grabungsstätte von Ninive antike Kulturgüter aus assyrischer Zeit zerstören, darunter eine 2.600 Jahre alte Türhüterfigur vom Nergal-Tor. Markus Hilgert, Direktor des Vorderasiatischen Museums in Berlin: „Das ist so, als würde jemand die Sphinx in Ägypten zerstören.“ Ein IS-Anhänger erklärte in dem Video, die Assyrer hätten mehrere Götter angebetet und damit die Einzigartigkeit Allahs in Frage gestellt, weshalb die Statuen zerstört werden müssten. In Mossul hatte die IS-Miliz schon vor Wochen zwei große Bibliotheken geplündert und alle nicht-islamischen Schriften verbrannt. Das Video zeigt außerdem, wie die Plünderer im Museum von Mossul mit dem Hammer große Stücke zerschlagen. Die UNESCO-Chefin Irina Bokova forderte daraufhin eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates. Dieser hatte bereits in einer früheren Sitzung die IS-Milizen als „terroristische Vereinigung“ eingestuft. Das US-Institut „Terrorism Research and Analysis Consortium“ (TRAC) beurteilt den IS nicht als eine reine Kampftruppe, sondern als eine Regierungsmacht in den eroberten Gebieten in Syrien und im Nordirak. Das politische Ziel sei nicht nur die Errichtung eines großräumig ausgedehnten Kalifats, sondern eben auch – wie der Publizist Jürgen Todenhöfer analysiert – „die größte ‚religiöse Säuberung‘ in der Geschichte der Menschheit“, die sich gegen „alle Schiiten, Jesiden, Hindus, Atheisten und Polytheisten“ richten würde: der brutale „Kulturkampf mit dem Presslufthammer“ ist mithin Teil dieser Ideologie. Westliche Politiker und Nachrichtendienste tun sich unterdessen schwer mit einer geostrategischen Einschätzung der Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten: Der Journalist und Buchautor Bruno Schirra wirft ihnen vor, die Umwälzungen des „arabischen Frühlings“ 2011/2012 nur „naiv bejubelt“ und nicht gründlich genug analysiert und deswegen bis heute „das große Potenzial islamistischer Grundüberzeugungen“ in jenen Ländern ignoriert zu haben.

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