Klima Biennale in Wien eröffnet

Unter dem Leitmotiv Unspeakable Worlds untersucht die Klima Biennale Wien vom 9.4. bis 10.5. 2026 die Komplexität der Klimakrise und ihre globalen Verflechtungen. Sie bringt Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen, um neue Perspektiven für eine lebenswerte Zukunft zu erproben.
Am ersten Tag der Klima Biennale Wien wird der Karlsplatz in einen Jahrmarkt verwandelt: Beim Soft Opening am 9.4. lädt ein offenes Nachmittagsprogramm alle Wiener*innen zum Mitmachen ein. Zwischen Basteltisch, Tarot, Kinderschminken und performativen Interventionen entsteht Raum für Begegnung und Imagination.
Vom KunstHausWien aus entfaltet das Festival vier Wochen lang sein Programm dieses Jahr zum zweiten Mal in der ganzen Stadt und bringt dabei Kunst gezielt in den öffentlichen Raum. Jede Woche rückt eine andere Programmsäule in den Fokus. Das künstlerische Programm umfasst die Ausstellungen Seeds. Reclaiming Roots, Sowing Futures sowie I Wish We Had More Time des Institute of Queer Ecology. Gestaltet wird die Zentrale vom Szenografie-Duo JASCHA&FRANZ gemeinsam mit der Schriftstellerin Andrea Grill. Sie übersetzen das Leitthema Unspeakable Worlds in eine poetische Raum- und Textsprache. Der begrünte Innenhof mit dem Café Friedlich bietet Raum für Reflexion, Austausch und kulinarische Pausen.
I Wish We Had More Time untersucht Verlust – eine der grundlegenden Erfahrungen des Daseins – in seinen vielschichtigen Dimensionen: ökologisch, gesellschaftlich und persönlich.
Klimatische Veränderungen bringen artenübergreifende Lebensgemeinschaften aus dem Gleichgewicht und stellen die Anpassungsfähigkeit vieler Organismen vor erhebliche Herausforderungen. Die Fragilität des Bestehenden zeigt sich in gesellschaftlichen Krisen und dem gemeinschaftlichen Umgang damit: Archive bewahren queere Geschichten und halten Kontinuitäten aufrecht. Chosen Families entwickeln neue Formen von Fürsorge und Verbundenheit. Auf persönlicher Ebene wird Verlust in Liebe und Wehmut, in Begegnungen mit der richtigen Person zur falschen Zeit, verpassten Chancen, verblassender Leidenschaft und gebrochenem Vertrauen spürbar.
Auf diese Themen reagieren 34 Positionen aus Kunst, Wissenschaft, Literatur, Musik und Performance in unmittelbaren Momentaufnahmen und vielfältigen Medien: in Zeichnungen, Drucken, Fotografien, Video- und Audioarbeiten, Objekten sowie in Texten. Sie treten miteinander in Dialog, erzeugen Resonanzen und eröffnen unerwartete Verbindungen. In ihrer Offenheit, Dringlichkeit und dynamischen Form halten sie flüchtige Zustände fest, bevor sie sich wandeln oder verloren gehen. Eine zentrale Skulptur, das Orrery of Interconnected Loss, verwebt die einzelnen Beiträge zu einer queeren Kosmologie des Verlusts.
Die Ausstellung macht Verlust als gemeinsame Erfahrung sichtbar und öffnet damit spekulative Szenarien: Was wäre, wenn, was hätte sein können und was noch sein kann. Gleich einer Zeitkapsel werden die Erzählungen, Beziehungen und Spuren in zukünftige Gegenwarten getragen und wachsen durch einen fortlaufenden Prozess des Sammelns und Bewahrens zu einem Archiv des Verlusts an.
Am 13. und 14. April 2026 findet im Funkhaus Wien der Klimagipfel statt und bringt Akteur*innen aus Wissenschaft, Kunst, Politik, Aktivismus und Zivilgesellschaft zusammen, um Perspektiven auf die Klimakrise und konkrete Lösungsansätze zu diskutieren. Keynotes, Panels und partizipative Formate widmen sich in drei Themenblöcken regenerativen Wirtschafts- und Ernährungssystemen, klimasozialer Stadtentwicklung sowie Fragen zu Jugendpartizipation, Bildung, Rechte und Demokratie. Zu den Teilnehmer*innen zählen u. a. Luisa Neubauer, Franz Essl, Emanuele Coccia, Sigrid Stagl oder Nikolaj Schultz. Die Veranstaltung ist offen für alle Interessierten und bietet Raum für Austausch, Inspiration und konkrete Handlungsideen.
In Kooperation mit zwei Wiener Kunstuniversitäten haben außerdem rund achtzig Kunststudierende der Akademie der bildenden Künste Wien und der Universität für angewandte Kunst Wien eigens für die Klima Biennale künstlerische Arbeiten entwickelt, die sich mit der Klimakrise auseinandersetzen. Sie werden vom 29.4. – 3.05. eine Woche lang am Badeschiff gezeigt. Die medienübergreifenden Kunstwerke sind seit Herbst 2025 im Rahmen von Lehrveranstaltungen entstanden und umfassen Zeichnungen, textile Arbeiten, Videos, ebenso wie Performances, Installationen und diskursive Formate: Seien es Skulpturen, die sinnbildlich das Badeschiff in eine untergehende Titanic verwandeln, Fahnen, die im Wind wehend zu mehr Klimagerechtigkeit aufrufen oder kollaborative Unternehmungen, die durch Aufnahmen und Bearbeitung der Geräusche und Stimmen an den Ufern des Donaukanals die Stadtnatur Wiens hörbar machen. Workshops, Talks und wissenschaftliche Impulse eröffnen nachhaltige, visionäre Perspektiven und Lösungsansätze zur Klimakrise.
Das ganze Programm ist unter Programm | Klima Biennale Wien einzusehen.
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