Liverpool: UNESCO-Welterbe-Titel aberkannt

23. Juli 2021 · Kulturpolitik
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Jahrzehntelang hätten nur die Beatles und der Fußball das Image von Liverpool geprägt; doch als die Hafenmetropole 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde, half dies, „den nationalen und globalen Blick auf unsere Stadt zu verändern“, lässt sich der Liverpooler Ratsherr Richard Kemp von der „DW-Deutschen Welle“ zitieren. Doch diesen Titel hat die UNESCO der Stadt jetzt wieder aberkannt: durch Bauprojekte werde die Hafenfront und damit der Charakter als „maritime Handelsstadt“ beschädigt. Insbesondere der Wohn- und Bürokomplex „Liverpool Waters“ und das neue Bramley-Moore Dock Stadium für die Fußballer missfielen dem UNESCO-Komitee, das mit 13:5 Stimmen für die Aberkennung des Titels votierte. Für viele Orte ist solch ein Status werbewirksam und damit vor allem der Tourismusindustrie willkommen. Doch die Kriterien sind streng: 2007 wurde Oman der Titel wegen der Verkleinerung eines Wildschutzgebiets entzogen und 2009 Dresden wegen des Baus der Waldschlösschenbrücke. Liverpool ist nun der dritte Fall einer solchen Abstrafung. Auf die Rote Liste der gefährdeten Baudenkmäler setzten die UNESCO-Hüter 2004 auch den Kölner Dom wegen der damaligen Hochhauspläne im Stadtteil Deutz. Erst als die Stadt Köln zusicherte, außer dem Kölntriangle-Bau dort in der Nähe des Rheinufers künftig keine weiteren Hochhäuser mehr zu genehmigen, verschwand die Kathedrale wieder von der Liste. Ähnliche Warnungen seitens der UNESCO wegen einer Beeinträchtigung des Stadtpanoramas hatten die Liverpooler mit ihren Bauvorhaben jedoch jahrelang beharrlich ignoriert. Generell ist der Zielkonflikt zwischen Denkmalschützern auf der einen, und derjenigen, die eine Modernisierung ihrer Städte voran treiben wollen, auf der anderen Seite ein Politikum. Der Ethnologe Christoph Brumann, der kürzlich das Buch „The Best We Share: Nation, Culture and World-Making in the Unesco World Heritage Arena“ veröffentlichte und die UNESCO-Politik kritisch sieht, spricht im DW-Interview den Liverpoolern Mut zu: Die Stadt könne nun machen, „was sie will, und muss sich nicht mehr gefallen lassen, dass sich das Welterbekomitee oder die britische Regierung in ihre Baupläne einmischt“.

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