Manifesta: The Zurich Load

19. März 2016 · Biennalen
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Im Vorfeld der Züricher Biennale „Manifesta“ (11. Juni – 18. Sept. 2016) bezog der amerikanische Künstler Mike Bouchet die lokale Bevölkerung in sein Projekt ein, für seine überdimensionale Skulptur „The Zurich Load“ zusammen mit dem städtischen Klärwerk Werdhölzli Klärschlamm zu sammeln und als „fäkaler Fußabdruck Zürichs“ im Migros Museum für Gegenwartskunst an der Limmatstrasse 270 auszustellen. Immerhin spülen alle, die sich in Zürich aufhalten, pro Tag 80 Tonnen an festen Reststoffen in die Kanalisation. „Genauso wie wir uns heute von der Nahrungsmittelproduktion entfernt haben, haben wir uns auch von unserem körperlichen Abfallprodukt entfremdet“, erklärt Bouchet zu seinem Konzept. Der belgische Künstler Wim Delvoye hatte vor einigen Jahren als Skulptur eine Maschine konstruiert, die die chemischen Prozesse der menschlichen Verdauung ablaufen lässt. Auch hier ging es um eine Sichtbarmachung körperlicher Prozesse, die kulturell tabuisiert oder urologisch und proktologisch allenfalls äusserst diskret behandelt werden. Bei Bouchet kommt jedoch noch ein interaktives Moment hinzu, das der Grundidee des Manifesta-Kurators Christian Jankowski folgt, nämlich dass die eingeladenen Künstler mit Vertretern anderer Berufe zusammenwirken: hier sind es die Mitarbeiter des Klärwerks, die dem Künstler helfen, mit Neutralisationsstoffen den unangenehmen Geruch im Museum zu neutralisieren. In der Frankfurter Schirn Kunsthalle hatte Bouchet 2010 in seiner Ausstellung „Neues Wohnen“ „Fragen der Urbanität und des Konsums“ thematisiert, die auch bei seinem jetzigen „Manifesta-Beitrag“ eine Rolle spielen. Dort war die Arbeit „Watershed“ zu sehen, ein schwimmendes Einfamilienhaus, das Mike Bouchet 2009 auf der Biennale von Venedig ausgestellt hatte. Anschließend wurde das Haus zerlegt und auf Transportpaletten verteilt, aus denen der Künstler für die Frankfurter Ausstellung die Installation „Sir Walter Scott“ schuf. War hier schon ein Hang zur Monumentalisierung plastischer Momente zu erkennen, so besticht auch sein Klärschlamm-Projekt durch die Dimension, dass 400.000 Menschen mit jeder Klospülung ein Gemeinschaftskunstwerk schaffen und in einem Museum ausstellen. www.manifesta.org

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