Max Mara Prize wird global, im Stammsitz zeigt Giuditta Branconi „Kanonenfutter“
Seit zwanzig Jahren vergibt das Unternehmen Max Mara im Zweijahresrhythmus einen Preis für aufstrebende Künstlerinnen – als Hommage an weibliche Kreativität, wie es erklärt wird. Bisher in Kooperation mit der britischen Whitechapel Gallery, hat die Eigentümerfamilie Maramotti jetzt eine gravierende Veränderung bestimmt: Der bisher auf europäische Künstlerinnen ausgerichtete Preis wird global.
Ab diesem Jahr übernimmt die in New York lebende Italienerin Cecilia Alemani die Auswahl eines jeweils wechselnden Landes bzw. Institution für die Preise. Den Auftakt macht das MACAN im indonesischen Jakarta. Der Preis beinhaltet einen sechsmonatigen Aufenthalt in enger Zusammenarbeit mit einem Kunsthandwerk in Italien. Plus einer Ausstellung in der Fondazione Maramotti in Reggio Emilia in der zum Museum umgebauten, ehemaligen Max-Mara-Produktionsanlage. Hier ist die herausragende Sammlung mit Kunst seit den 1960er zu sehen – eine der wenigen und sicher eine der besten, öffentlich zugänglichen Privatsammlungen in Italien. Dazu läuft ein ganzjähriges Programm mit Wechselausstellungen.
Hier eröffnete jetzt „Cannon Fodder“ von Giuditta Branconi. Die 1998 geborene Italienerin zeigt fünf neue Bilder plus einem begehbaren Bild-Pavillon. Ihr Ausgangspunkt sei „das Desaster unserer aktuellen Welt“ gewesen, erzählt sie bei der Eröffnung. Aber dann nahm es einen anderen Lauf: Ihre faszinierenden, in leuchtenden Tageslichtfarben bemalten Leinwände sind wie eine Tapete dicht bevölkert von Hunden, Vögeln, Schmetterlingen, Haarschleifen, Sternen und vor allem Blumen. Dazwischen stehen Sätze mit tagespolitischen Bezügen, aber auch Literaturzitaten in vielen Sprachen. Bemalt von vorne und hinten, scheint manches durch, vieles ist überlappend – ihre Bilder seien „wie ein Puzzle“, aber auch wie „ein Tagebuch“, erklärt sie. Es komme „mehr und mehr und mehr hinzu, bis eine Balance im Raum“ erreicht sei. Die Blumen benötige es für den Rhythmus. Am Ende seien ihre Bilder immer „lieblich“ – intensive Bildwelten, in die man beim Betrachten immer tiefer hineingesogen wird.
Während Maramottis Ausstellungsprogramm vornehmlich auf junge nationale Kunst fokussiert, holt der Max Mara Prize ab nächstem Jahr Künstlerinnen aus dem Globalen Süden nach Italien – eine Herausforderung, wie der Firmenchef Luigi Maramotti zugibt. Denn die Künstlerinnen benötigen dafür mehrmonatige Visa. Ihnen sei vom Außenministerium Unterstützung dabei zugesagt – und Kunst können Grenzen überwinden, ist er sich sicher. (SBV)
Dazu in Band 286 erschienen: