Museum Ludwig Köln: Bild und Gegenbild

3. November 2019 · Museen & Institutionen
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„Mai 1940 – 1000 Roma und Sinti“: 1990 dokumentierte der Künstler Gunter Demnig mit einer Kreidespur im Stadtraum, wie in jenem Mai 1940 Sinti und Roma vom Sportplatz des Vereins Schwarz-Weiß Köln-Bickendorf am hellen Tag zu Fuß etwa 8-9 km quer durch die Stadt zum Bahnhof Köln-Deutz getrieben und von dort aus in die Lager im Osten deportiert wurden – dass die lokale Bevölkerung davon nichts gewusst haben konnte, ist angesichts einer solch langen Strecke unmöglich. Gleichwohl zählte aber die Operette „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauss (1885) auch in den Kriegsjahren immer noch zu den beliebtesten Aufführungen im deutschsprachigen Musiktheater, und noch ein Vierteljahrhundert später besang die Schlagersängerin Alexandra 1967 den „Janos von der Puzta“ mit den Liedzeilen: „Heiß spielt der Zigeuner, und der Tanz beginnt, lustig weh’n die Bänder, rot und grün im Wind…“ Die brutale Verfolgung dieser Bevölkerungsgruppe und die gleichzeitige unsägliche Verkitschung des „fahrenden Volks“ und seiner angeblichen Lebensweise in derlei Liedgut waren für die damalige Generation offensichtlich kein Widerspruch. In seiner Reihe „Bild und Gegenbild“ nimmt das Kölner Museum Ludwig nun Korrekturen an den kunst- und zeitgeschichtlichen Stereotypen und ihren Nachwirkungen vor. Bis zum 1. März 2020 erfährt Otto Muellers Bild mit dem Originaltitel „Zwei Zigeunerinnen mit Katze“ (1926/27) eine Gegenüberstellung mit dem Film „Zigeuner sein“ (1970) von Peter und Zsóka Nestler. Der Film lässt „ – als einer der ersten überhaupt – Überlebende des Völkermordes und ihre Angehörigen zu Wort kommen… Er dokumentiert eine rassistische Praxis, die sich in alltäglichen Diskriminierungen bis heute fortsetzt. In der Gegenüberstellung von Bild und Film wird erprobt, wie der Blick auf Kunst um historische, soziale und politische Aspekte erweitert werden kann, ohne ausschließlich auf kunsthistorische Erklärungsmuster oder biografische Angaben zum Künstler zurückzugreifen. Es soll von der Darstellung ausgegangen werden, von den Bildern, ihrer Wirkung und ihrem Gebrauch…“ http://www.museum-ludwig.de

Dazu in Band 213 erschienen:

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