Neo Rauch-Film

16. Januar 2017 · Film
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Am 2. März 2017 kommt eine Filmdokumentation über den Leipziger Maler Neo Rauch in die Kinos. „Neo Rauch -Gefährten und Begleiter“ wurde von Nicola Graef gedreht, die auch als Regisseurin den Film „Ich. Immendorff“ (2008) drehte und mit der Kamera den Künstler in den letzten zwei Jahren vor seinem Tod begleitete. Gemeinsam mit Nicole Zepter schuf sie auch die TV-Serie „Kunst hassen“. In dem Rauch-Film kommen Kunstsammler zu Wort, Rahmenbauer, Fotografen für seine Kataloge und Weggefährten wie seine Frau Rosa Loy, die den Mitbegründer der „Neuen Leipziger Schule“ seit Jahren loyal begleiten. So ergibt sich für den Zuschauern ein Eindruck von der Persönlichkeit und der Arbeitshaltung Neo Rauchs über weite Strecken des Films durch Erzählungen Dritter. Zugleich bietet der Film ein facettenreiches Bild über Rauchs sächsische Heimatregion – denn er wuchs bei seinen Großeltern in Aschersleben auf, wo er auch sein Abitur machte, und seit er 1981 ein Kunststudium in Leipzig begann und dort später Professor für Malerei wurde, hat er diese Stadt nie für längere Zeit verlassen. „Heimat“ ist denn auch ein zentrales Thema in Rauchs bildnerischer Ikonografie. Doch atmosphärisch ist diese Bildwelt weit entfernt von einer Stammtischidylle, denn die Szenarien in Rauchs Gemälden wirken oft surreal, beklemmend und verstörend. Die Dokumentarfilmerin versucht, mit ihrem 100 Minuten langen Film die geheimnisvolle Aura dieser Bilder zu ergründen, in denen sich in traumhafter Weise Räume und Zeiten überlappen. Rauch selbst erklärte kürzlich in einem Interview mit dem „Spiegel“, er stelle „unterschwellige Reflexionen der Weltzusammenhänge, des Weltgeschehens“ dar, aber diese Bildwelt darf nicht als tagespolitisches Statement missverstanden werden, denn was dort von den dargestellten Protagonisten existenziell vollzogen wird, ist letztlich zeitlos. Neo Rauch: „Ich lehne nicht das Zeitgenössische ab, sondern die Positionierung im politischen Raum mit den Mitteln der Malerei…“ Er wolle in seiner Malerei „das Feld frei… halten von allzu deutlichen Alltagsreflexen, von Nutzbarmachungen im Sinne einer politischen Anschauung“. Da mögen auch sicherlich Erfahrungen eine Rolle spielen, wie zu DDR-Zeiten Kunst kulturpolitisch vereinnahmt wurde, während man zur gleichen Zeit im Westen beklagte, die Kunst sei zu unpolitisch geworden – und man den bildenden Künstlern auch heute einen solchen Vorwurf macht, sie würden sich im aktuellen Zeitgeschehen weniger gesellschaftspolitisch positionieren als dies jetzt etwa die Theaterleute tun. Doch Neo Rauch ist beileibe kein L’art pour l’art-Künstler, denn er denkt als Maler in historischen Kategorien und versucht dabei zu jenen verallgemeinerbaren Erkenntnissen zu gelangen, die auf ihre Weise etwa auch zu die Philosophie zu ergründen versucht. Immerhin wurde der Film schon für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts und den DEFA-Förderpreis nominiert. Das Online-Feuilleton „Leipzig Almanach“ warf indessen der Regisseurin vor, sie wolle „wie bei billigem Boulevard“ an des Malers „Seele ran“: „Überraschend ist dabei, wie bereitwillig Rauch dies am Ende zulässt“.

Dazu in Band 210 erschienen:

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