Noch ein museales Baudesaster in Köln – www.kunstforum.de

Noch ein museales Baudesaster in Köln

12. August 2022 · Museen & Institutionen

Lorenz Deutsch, kulturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Kölner Stadtrat, ist ungehalten: „Es ist ein Trauerspiel, wie in Köln mit Kulturbauten umgegangen wird“. 2011 wollte man mit der Sanierung des Römisch-Germanischen Museums beginnen und den Bau 2021 wieder eröffnen, doch bis heute ist dort noch kein einziger Hammerschlag erfolgt. „Die Stadtverwaltung hat also mehr als ein Jahrzehnt benötigt, um die Modernisierung eines der wichtigsten Museen Kölns vorzubereiten. Dass das dramatisch zu langsam ist, liegt klar auf der Hand“, moniert auch der „Kölner Stadtanzeiger“. Als das Gebäude 2016 unter Denkmalschutz gestellt wurde, musste „umgeplant“ werden. Eine „Vorplanung“ liegt aber erst jetzt vor. Baudezernent Markus Greitmann meldete soeben eine Verteuerung von 41 auf 91,2 Mill. Euro und nennt dies „vertiefte Kostenschätzung“. Ratspolitiker Deutsch empört sich: „Dieses Debakel weist auf eine grundlegende Überforderung der Stadtverwaltung hin“. Wenn alles gut geht, ist die Sanierung des Museumsgebäudes und jene der benachbarten Dombauhütte 2026 beendet. Köln ist reich an Bauskandalen in jüngster Zeit: die Sanierung der Kölner Bühnen sollte eigentlich schon 2015 beendet sein; doch die Wiedereröffnung erfolgt jetzt nicht vor 2024. An Baukosten errechnete man 2012 noch rund 250 Mill. Euro; jetzt wird in der Presse eine Gesamtsumme zwischen 617 und 644 Mill. Euro kommuniziert. Ein ähnliches Drama bietet die „Archäologische Zone“ (neuer und jetziger Name: „MiQua“) im Rathausviertel, in der laut Ratsbeschluss aus dem Jahr 2006 ein „Museum der jüdischen Kultur in Köln“ seinen Platz finden soll. Doch über das Projekt wurde erst einmal in der Kommunalpolitik jahrelang gestritten. Schon 2010 geriet der Zeitplan in Verzug. 2019 sollte der Bau eigentlich fertig sein; jetzt werden 2024 oder 2025 als Jahr der Einweihung genannt. Zwischenzeitlich hatte sich die Stadt Köln von einem Stahlbauunternehmen wegen „stetiger Unzuverlässigkeit, wiederholten Terminüberschreitungen und maßlos überzogenen Nachforderungen“ getrennt. Angesichts der Häufung solcher Pannen fasst ein Karnevalsschlager die zur Lethargie neigende kölsche Mentalität einer „Küsste de hück nit, küsste morgen“-Haltung (Kommst du heute nicht, kommst du morgen) in der Liedzeile zusammen: „Wir könnten ja Weltstadt sein, aber was würde uns das eigentlich bringen…“


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