Not und Spiele: Flüchtlinge fressen

16. Juni 2016 · Aktionen & Projekte
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Als „aggressiven Humanismus“ bezeichnet die Initiative „Zentrum für politische Schönheit“ ihre politischen Aktionen: 2015 sorgte der Zusammenschluss verschiedener Künstler um den Aktionskünstler Philipp Ruch für Schlagzeilen, „als es zwei im Mittelmeer ertrunkene Einwanderer in der deutschen Hauptstadt beerdigte und im Anschluss mehr als 8.000 Menschen die Bundestagswiese in ein Friedhofsfeld verwandelten.“ 2014 verhalfen sie „zum 25. Jahrestag des ‚Mauerfalls‘ den Mauerkreuzen zur Flucht aus dem Regierungsviertel an die EU-Außengrenzen.“ Mit der aktuellen Aktion will die Initiative am 28. Juni 2916 hundert syrische Flüchtlinge aus der Türkei in Sicherheit bringen und zu ihren Verwandten nach Deutschland holen – per Charter-Flugzeug, da dies die einzige sichere Transportmöglichkeit ist, ohne Schleuser, ohne die Gefahr des Ertrinkens im Mittelmeer. Dazu sammelt die Initiative derzeit via Internet Spendengelder. Ihr begleitendens Aufmerksamkeitsmanagement focussiert sich auf eine Zirkus-Arena auf dem Gelände des Maxim Gorki Theaters in Berlins Zentrum. Dort inszenieren die Künstler „Not und Spiele“ mit „vier lybischen Tigern“ – ein „hyperreales Rom auf dem Boden des europäischen Reichs“. Die Aktion trägt den Untertitel „Flüchtlinge fressen“: „Sollte die Bundesregierung gegen das Flugzeug votieren (eine Nichtäußerung interpretieren wir als Nein), suchen wir jetzt Flüchtlinge, die bereit sind, sich am 28.6.2016 wegen § 63 Abs. 3 AufenthG fressen zu lassen – für die Rettung unserer europäischen Ideale und gegen das schreiende Unrecht, das genau zum 15. Geburtstag der EU-Richtlinie endlich abgestellt werden muss.“ Tatsächlich hatten sich nach der Veröffentlichung des Konzepts zwei Flüchtlinge gemeldet, die bereit wären, zu den Tigern ins Freigehege zu gehen. Der Hintergrund: Fluggesellschaften können mit hohen Strafen belegt werden, wenn sie Personen ohne Einreiseerlaubnis befördern. Im Maxim Gorki Theater läuft das Theaterstück „Not und Spiele“; die Tiger-Arena verbleibt dort bis Ende Juni. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bezeichnete die Aktion als „geschmacklose Inszenierung, die auf dem Rücken der Schutzbedürftigen ausgetragen werden soll.“ Das von den Aktivisten kritisierte Beförderungsverbot solle die Pass- und Visumpflicht sicherstellen und sei zudem europäisches Recht, das nicht einseitig von der Bundesregierung aufgehoben werden könne.  www.flüchtlinge-fressen.de

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