Protest: Kosovarischer Künstler verlässt Belgrad-Biennale

30. Juli 2020 · Kulturpolitik

Der Künstler Petrit Halilaj zog seinen Beitrag zur Belgrad-Biennale zurück, weil die Veranstalter in den Begleitmaterialien seine kosovarische Nationalität nicht nennen wollen. Von 193 UNO-Mitgliedern erkennen nur 114 Länder den Kosovo als souveränen Staat an, Serbien allerdings nicht, auch nicht Russland, China, Indien, Griechenland und Zypern. Halilaj zeigt gleichzeitig im Parque del Retiro von Madrid – organisiert vom Museum Reina Sofia – bis zum 28. Februar 2021 eine Blumengarten-Installation, und er verweist darauf, dass hier in den Prospekten seine Nationalität durchaus genannt werde, obwohl Spanien ebenfalls den Kosovo nicht völkerrechtlich anerkennt. Die Reaktion der Biennale-Organisatoren in Belgrad: nach Halilajs Rückzug strichen sie aus der Künstlerliste alle Hinweise auf deren geografische Herkunft, d.h. alle Städte- und Ländernamen. Zum historischen Hintergrund: Martti Ahtisaari, damals Präsident von Finnland und 2008 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, war im Frühjahr 1999 Chefunterhändler zur Beendigung des Kosovo-Krieges. Im Juni 1999 verkündeten Ahtisaari und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder als Gastgeber des G8-EU-Doppelgipfels in Köln den „Frieden von Belgrad“. Als südserbische Provinz wurde der Kosovo fortan von der UNO verwaltet, bis das Land 2008 einseitig seine Unabhängigkeit proklamierte. Serbien erhebt allerdings weiterhin formal Ansprüche auf die Region und versucht, weitere Anerkennungen des Kosovo außenpolitisch-diplomatisch zu verhindern. Damit erklärt sich auch das brüske Verhalten der Belgrader Biennale-Organisatoren. Der Kosovo ist inzwischen auch ein „potenzieller Beitrittskandidat“ für die EU. Gesetzliches Zahlungsmittel im Kosovo ist wie in Montenegro, das ebenfalls 2006 seine Unabhängigkeit gegenüber Rest-Jugoslawien ausgerufen hatte, der Euro.