Proteste in den Uffizien

8. Januar 2026 · Kulturpolitik

Am Sonntag, den 4. Januar, haben über 100 Demonstranten in Florenz im Innenhof der Uffizien gegen prekäre Arbeitsbedingungen in der Kultur protestiert. Mit einem Banner, auf dem “Schluss mit den prekären Leben” (Basta vite precarie) stand, versammelten sie sich zu der von der Gewerkschaft Sudd Cobas organisierten Demonstration gegen die Entlassung zahlreicher Aushilfskräfte.

Die Uffizien, zu denen auch der Palazzo Pitti und die Boboli-Gärten in Florenz gehören, hatte 2024 mehr als 5 Mio. Besucher*innen zu verzeichnen. Sie haben damit einen Jahresumsatz von ca. 60 Mio. Euro erwirtschaftet.

Nach einem Wechsel des Dienstleisters der zahlreichen Zeitarbeitskräfte, die den Museumsbetrieb mit aufrechterhalten, wurden insbesondere Tätige in den Bereichen Sicherheit, Empfang, Ticketverkauf, Buchhandlung und Garderobe nicht wieder eingestellt. Laut der Gewerkschaft Sudd Cobas wurden dabei vor allem Mitarbeiter*innen, die bislang neunmonatige Saisonverträge hatten, durch andere Personen ersetzt, die nur noch “flexibel” auf Abruf eingesetzt werden, was eine größere Unsicherheit auf Seiten der Beschäftigten und mehr Flexibilität für die beschäftigende Firma bedeutet. Einige der Betroffenen haben bereits seit mehr als einem Jahrzehnt mit befristeten Saisonverträgen für die Uffizien gearbeitet. Das Unternehmen CoopCulture erklärt, dass sein Vorgehen mit allen Ausschreibungsrichtlinien in Einklang stehe.

Die Uffizien können als staatliche Einrichtung in Italien Mitarbeiter*innen nicht direkt einstellen, stattdessen läuft dieser Vorgang stets über Ausschreibungen des Kultusministeriums, sodass sie in diesem Prozess nach eigener Aussage nur auf moralischer Ebene einwirken können. Ein Sprecher der Uffizien erklärte jedoch öffentlich, dass sich das Museum „am Verhandlungstisch stets dafür eingesetzt hat, dass möglichst viele Menschen ihren Arbeitsplatz behalten“. Von diesen Vorgängen sind auch weitere Museen in Florenz betroffen, wie die regionale Museumsdirektion der Toskana und die Kunstrestaurierungsinstitution Opificio delle pietre dure.

In einer Stellungnahme fordert die Gewerkschaft Sudd Cobas: „Die Tourismuswirtschaft von Florenz kann sich nicht weiterhin auf schlecht bezahlte und prekäre Arbeitsverhältnisse stützen. Es ist an der Zeit, dass alle Zeitarbeitskräfte unbefristete Verträge erhalten.“

Zur Lösung des Problems ist für die kommenden Tage ein Treffen einer Delegation von Gewerkschaftsvertreter*innen und Arbeitnehmer*innen mit dem Florenzer stellvertretenden Bürgermeister Dario Danti geplant. Zusätzlich hat sich die Gewerkschaft auch an die Regionalregierung der Toskana gewandt.

Dazu in Band 274 erschienen:


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