René Magritte in der Frankfurter Schirn

13. Februar 2017 · Museen & Institutionen
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Bis zum 5. Juni 2917 zeigt die Frankfurter Schirn Kunsthalle die Ausstellung „Der Verrat der Bilder“. Sie untersucht das Verhältnis des surrealistsichen Malers René Magritte (1998-1967) zur Philosophie seiner Zeit: Magrittes berufliche Wurzeln liegen in der Werbegrafik; Ende der 1920er Jahrwe lebte er für drei Jahre in Paris, hatte dort auch engen Kontakt zur Surrealistengruppe um André Breton, mit dem er sich dann jedoch überwarf. Prägend für die Pariser Surrealisten waren in den 1920er Jahren vor allem die Literaten unter ihren Mitgliedern, neben Breton die Autoren Philippe Soupault und Louis Aragon, und amn kann vermuten, dass aus diesen Begegnungen bei Magritte der Wunsch entstanden sein mochte, in der Malerei eine Bildsprache zu entwickeln, die der gesprochenen oder geschriebenen Sprache von ihrer Bedeutung her gleichrangig ist. So beweist denn diese Ausstellung, dass das Spiel mit Paradoxien und optischen Täuschungen in den Gemälden eben nicht bloß ein overflächlicher visueller Effeht ist, sondern dass es hier um die Beziehung zwischen dem Objekt und seiner semantischen Bedeutung geht, um Sein und Schein, um Bild und Abbild – das berühmte „Ceci n’est pas une pipe“ behauptet im Sinne der philosophischen Aussagenlogik wahrheitsgemäß, dass es sich hier eben tatsächlich nicht um eine Tabakpfeife als Gegenstand handelt, sondern um deren Abbild. Der Philosoph Paul-Michel Foucault publizierte 1973 eine ausführliche Dokumentation zu diesem Bild und erwähnt dabei auch zwei Briefe Magrittes aus den 1960er Jahren, in denen Magritte auf eine Analogie zwischen seiner Malerei und Foucaults Buch „Die Ordnung der Dinge“ verwies. Die Akuratesse in der hyperrealistischen Malerei verbindet sich bei Magritte zu einem konzeptuellen Denken, und das künstlerische Ergebnis ist dann eine Verfremdung der sichtbaren Welt. Foucault erkennt in Magrittes Werken zwei Prinzipien der europäischen Malerei, nämlich zum einen die Trennung zwischen der figürlichen Darstellung und der sprachlichen Referenz wie beim Pfeifenbild, und die Thematisierung einer Beziehung zwischen dem Sichtbaren und dem Nicht-Sichtbaren in der Malerei (was wir – in anderen Zusammenhöngen –  manchmal auch etwas schwammig – als das „Auratische“ bezeichnen). „Die Ausstel­lung beleuch­tet in fünf Kapi­teln Magrit­tes Ausein­an­der­set­zung mit der Philo­so­phie. Seine Wort-Bilder reflek­tie­ren seine grund­sätz­li­chen Über­le­gun­gen zum Verhält­nis von Bild und Spra­che, weitere zentrale Bild­for­meln befas­sen sich mit den Legen­den und Mythen der Erfin­dung und der Defi­ni­tion der Male­rei. Die quasi wissen­schaft­li­che Methode, der er in seiner Male­rei folgte, bezeugt seinen Argwohn gegen­über einfa­chen Antwor­ten und einem simplen Realis­mus.“ www.schirn.de

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