Rudolf Zwirner: Deutungshoheit liegt bei Investoren

13. September 2019 · Galerien & Auktionshäuser

Rudolf Zwirner, 86, Mitbegründer des Kölner Kunstmarkts 1967 und heute in seiner Geburtsstadt Berlin lebend, gab anlässlich der „Berlin Art Week“ dem Berliner „Tagesspiegel“ ein Interview. Zwirner, der vor allem in den 1980er und 1990er Jahren als Nestor des deutschen Kunsthandels galt, sieht den heutigen Kommerz-Rummel um die „Investoren-Kunst“ kritisch. Auf die Frage der Interviewerin Nicola Kuhn, was eine Rekordsumme von 81 Mill. Dollar für Jeff Koons‘ Skulptur „Rabbit“ „noch über Qualität“ aussage, antwortete Zwirner: „Nichts. Das ist ein Ausdruck unserer Zeit, nicht der Qualität. Hier spielen völlig andere Kriterien eine Rolle, die mit Kunstbewertung wenig zu tun haben. Es ist bedauerlich, dass die Deutungshoheit von den Fachleuten, den Museumsdirektoren, großen Sammlern und Kritikern, zunehmend in die Hände der Investoren übergegangen ist. Das perverseste Beispiel dafür ist das für 450,1 Millionen Dollar versteigerte drittklassige Leonardo-Bildnis ‚Salvator Mundi‘. Irgendwann befand es sich möglicherweise in seinem Atelier und wurde dann über die Jahrhunderte verändert, restauriert, erneuert, so dass ein völlig anderes Bild entstand und die Zuschreibung nur noch absurd ist. Hier wird mit einem Namen ein Investment gehypt. Je teurer das Objekt ist, umso begehrter wird es. Mit Ästhetik hat das nichts mehr zu tun.“

Dazu in Band 183 erschienen: