„Spiegel“-Redakteurin kritisiert Umgang mit Gurlitt-Nachlass

18. Januar 2021 · Kulturpolitik

Cornelius Gurlitt (1932-2014) machte 2013 Schlagzeilen mit dem „Schwabinger Kunstfund“ – die Augsburger Staatsanwaltschaft hatte 1.280 Werke aus Gurlitts Kunstsammlung wegen des Verdachts von Steuervergehen beschlagnahmt. Geerbt hatte er das Konvolut von seinem Vater Hildebrand Gurlitt (1895-1956), der in der NS-Zeit als Kunsthändler gearbeitet hatte. Bei Provenienzrecherchen über einen Teil der Sammlung wurden 14 Bilder als NS-Raubkunst klassifiziert. Als erstes wurde Max Liebermanns Bild „Zwei Reiter am Strand“ (1901) an die Erben des ursprünglichen Besitzers restituiert, zwei Großneffen. Unlängst erfolgte auch die Rückgabe des letzten dieser 14 Werke, einer Zeichnung von Carl Spitzweg. Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärte dazu: „Es ist ein wichtiges Zeichen, dass wir mit der Spitzweg-Zeichnung nun sämtliche bislang als Raubkunst identifizierten Bilder aus dem Kunstfund Gurlitt an die Nachkommen der Opfer zurückgegeben haben“, denn „hinter jedem dieser Bilder“ stehe „ein menschliches, tragisches Schicksal“. In „Der Spiegel“ kritisierte allerdings die Journalistin Ulrike Knöfel den Umgang der Politik und der Behörden mit dem Gurlitt-Nachlass als Hinhaltetaktik: „Irritierend ist… , wie lange es gedauert hat, die 14 Werke zurückzugeben… Auch bei der Spitzweg-Zeichnung stand früh fest, dass sie dem in Auschwitz ermordeten Musikverleger Henri Hinrichsen gehört hatte.“

Dazu in Band 224 erschienen: