Zürich: Gesangsperformance gegen Bank-Geschäfte

5. November 2017 · Aktionen & Projekte
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Als schweizerische Großbank zählt die UBS Group AG zu jenen 30 Großbanken, die vom Financial Stability Board (FSB) als „systemisch bedeutsame Finanzinstitute“ eingestuft werden. Nach eigenen Angaben ist die UBS der weltweit wachstumsstärkste Vermögensverwalter – sie verwaltet nämlich ein Vermögen von etwa 2,8 Milliarden Schweizer Franken. 2008/2009 machte die Bank freilich negative Schlagzeilen: das US-Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC ermittelten gegen die UBS wegen des Verdachts der Beihilfe auf Steuerhinterziehung zugunsten zehntausender von US-Bürgern. In einer außergerichtlichen Einigung gab die UBS schließlich zähneknirschend „250 bis 300 Kundendaten“ heraus und stimmte einer „Rückzahlung ungerechtfertigter Gewinne“ in Höhe von 780 Millionen Dollar zu. 2011 kam die UBS dann erneut ins Gerede: ein Händler hatte mit „ungenehmigten Handelsgeschäften“, d.h. bei einem unautorisierten, spekulativen Aktienhandel das Risikolimit überschritten und so der Bank 2 Milliarden US-Dollar Verlust beschert. 1,4 Milliarden Schweizer Franken musste die UBS des weiteren 2012/2013 an Behörden in den USA, in der Schweiz und in Großbritannien als „Vergleichszahlung“ überweisen wegen Manipulationen am „Libor“-Zinssatz, der in London als Referenzzinssatz für die Berechnung des Kreditzinses gilt. Züricher Kunststudenten und andere Aktivisten warfen der UBS noch andere unmoralische Geschäfte vor wie Investitionen von 1,1 Milliarden Dollar in Afrika in schmutziges Diesel und 1,3 Milliarden Dollar in eine Firma, die für „Kohlenasche-­Verschmutzungen in den Flüssen North Carolinas (USA)“ verantwortlich sei. Sie versammelten sich „in und vor“ dem UBS-Gebäude am Züricher Paradeplatz zu einer Gesangs-Performance, um Lieder „über die unbesungenen Verbrechen der UBS-Firmenpolitik und ihre Auswirkungen auf unserem Planeten…“ zu Gehör zu bringen. Ein massiver Polizeieinsatz führte jedoch sehr rasch zum Ende der Performance; die Künstler und Aktivisten beklagten die „Unverhältnismäßigkeit“ des polizeilichen Vorgehens und stellten klar, ihre Kunstaktion sei „weder ein Banküberfall noch eine Demonstration“ gewesen, sondern sie wollten lediglich „mit Kunst friedlich“ auf die fragwürdigen Praktiken der Bank aufmerksam machen. Die Gruppe nennt sich „Performing Truth Seminar“ und hatte dazu „Reverend Billy“ und andere Mitglieder der New Yorker „Church of Stop Shopping“ als „Gastdozenten“ eingeladen. Reverend Billy heißt eigentlich Bill Talen; er ist Schauspieler und Performer, der als engagierter Globalisierungsgegner mit seinen Straßentheater-Auftritten an öffentlichen Orten „Einkaufsinterventionen“ inszeniert und dabei missionarische Predigten gegen die Konsumkultur hält. Wegen „widerrechtlichen Betretens fremden Raumes“, wie ihm und seinen Mitstreitern jetzt auch bei der UBS-Bank vorgeworfen wurde, hatte der Performer allerdings schon öfters Ärger mit der Polizei – der Reverend selbst begreift sein Tun allerdings lediglich als „Betreten eines imaginären Raumes“ und hält „zivilen Ungehorsam“ für ein legitimes Mittel, um durch Kunst auf die Notwendigkeit gesellschaftlicher Veränderungen aufmerksam zu machen. www.youtube.com/watch?v=HpAbIDKjWbU&t=155s

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