Michael Tedja
Die Realität ist, dass das Bild ohne Fiktion nicht existieren kann.
Ein Interview von Larissa KIKOL
Michael Tedja erbaut mit seinen Zeichnungen und Papier arbeiten ganze Ausstellungslandschaften. In seinen Räumen wird es voll. Voll an Werken, voll an Texten, Linien und mystischen Figuren. Die einzelne Zeichnung fungiert dabei wie eine Zelle eines größeren Organs, wie ein Backstein eines Gebäudes. Und das obwohl jede Arbeit für sich stehend schon genug mitbringt. Alle zusammen entwerfen Tedjas Universum. Und das besteht nicht nur aus Bildern. Der Zeichner ist gleichzeitig auch Autor und Poet. Das fließt in seine künstlerische Arbeit ein, in das Wechselspiel von Zeichen und Buchstaben, aber liest sich auch aus diesem Interview heraus. Zeichnen ist für Michael Tedja eine grundlegende Form des Fühlens, Schauens und Suchens. Darüber sprechen wir.
LK Ich beginne mit meiner Lieblingsfrage, die ich immer zu Beginn stelle. Was hast du als Kind gespielt? Und hast du damals schon gezeichnet?
MT Als Kind habe ich mit Stiften, Farben und Papier gespielt. Meine Mutter hat mich immer dazu gebracht, mein Zimmer aufzuräumen. Man konnte kaum darin laufen. Überall lagen Zeichnungen oder Gemälde herum. Das Zimmer war unordentlich, aber für mich übersichtlich. Ich fühlte mich in diesem Chaos, das kein Chaos war, zu Hause. Ich habe Pferde gemalt und sie den Mädchen in der Klasse geschenkt. Meine Inspiration für meine Zeichnungen kam zum Teil von Karel Appel. Im Flur der Schule hing ein Plakat mit einem freien Vogel. Ein typischer CoBrA-Vogel. Die andere Seite der Geschichte ist mein Vater. Er hat…