AICA Preis für Junge Kunstkritik geht an Steph Holl-Trieu
Der AICA-Preis für junge Kunstkritik geht dieses Jahr an die Künstlerin und Autorin Steph Holl-Trieu. Die 1995 geborene, in Berlin und Wien lebende Holl-Trieu interessiert sich für Fragen materialistischer Ästhetik und hat die Jury mit “präziser Beobachtung” und “außergewöhnlichem Sprachempfinden” überzeugt.
Ihre Texte, so die Jury, weisen eine Sprache auf, die exakt ist, nüchtern und geduldig. Sie lade zum Mtdenken ein: “Holl-Trieus Argumente entwickeln sich entlang der konkreten Anordnung von Werken im Raum. Dieses werknahe Denken ist von seltener poetischer Klarheit und konzeptioneller Unabhängigkeit. Dabei lässt ihre Wahrnehmung kein Detail unbeachtet. Holl-Trieus Texte tasten Ausstellungen und Werke mit hoher Präzision und Proportionssinn ab, bis sich gedankliche Öffnungen abzeichnen, die über das Sichtbare hinausweisen. So entstehen neue Kriterien und werden neue Weisen des Nachdenkens möglich.” Die Kunstkritiken der Preisträgerin erscheinen unter anderem in den Zeitschriften “Texte zur Kunst” und im PW-Magazine. Angesichts verschärfter prekärer Arbeitsbedingungen hat Holl-Trieu sich derzeit vom Schreiben entfernt, der Preis gibt ihr nun die Gelegenheit, weiter kunstkritisch zu arbeiten.
Ihre künstlerische Arbeit bewegt sich zwischen Schreiben, Sound und (Rollenspiel-)Spielen und ist oft in kollaborativen oder kollektiven Kontexten angesiedelt. Zu ihren vergangenen Ausstellungen und Performances gehören das 3HD Festival (2021), Exhibit Gallery Vienna (2022), LAS Art Foundation (2023), HAU (2023), Kunstverein Braunschweig (2023), Shedhalle Zürich (2023) und Klosterruine Berlin (2023). Von 2019 bis 2024 war sie Co-Direktorin und Kuratorin im Berliner Ausstellungsraum Ashley. Seit 2025 ist sie Mitorganisatorin des jährlichen Spring Meetings im Performing Arts
Forum in St. Erme (Frankreich), einem von Künstler*innen initiierten und selbstorganisierten Ort für künstlerische (Wissens-)Produktion.
Der Jury für den AICA-Preis gehörten in diesem Jahr der Schriftsteller Leif Randt; die beiden Preisträgerinnen des Vorjahres, Anne Küper und Alicja Schindler; AICA-Mitglied Renate Puvogel; sowie Kolja Reichert, Präsident der AICA Deutschland e.V. an. Der Preis zielt darauf, innovatives kunstkritisches Denken und Schreiben unter den Bedingungen der medialen Gegenwart öffentlich bekannter zu machen. Er soll Autor*innen unterstützen und bestärken, die durch ihre experimentellen, poetischen und/oder theoretischen Texte die Konventionen der Kunstrezeption hinterfragen und so das Verständnis von Kunstkritik aktualisieren. Er wird, gefördert durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, seit 2024 an junge Kunstkritiker*innen aus Deutschland unter 35 Jahren verliehen und in Höhe von 12.000 Euro als einjähriges Arbeitsstipendium in monatlichen Raten ausgezahlt.