Alexander Kluge mit 94 Jahren verstorben

Mit dem bedeutenden Regisseur, Filmemacher, Schriftsteller und Philosoph Alexander Kluge ist am 25. März 2026 einer der einflussreichsten Intellektuellen Deutschlands im Alter von 94 Jahren verschieden. Kluge entwickelte den Neuen Deutschen Film insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren auf entscheidende Weise in Theorie und Praxis weiter und machte sich nicht zuletzt auch als Autor einen großen Namen. Seine Vielseitigkeit und sein großes Interesse sowohl am kulturellen Ausdruck wie auch an gesellschaftspolitischen Fragen prägten sein Handeln und seine Werke auf spezielle Weise.
So gehörte Alexander Kluge nicht nur zum Kreis um die Gruppe 47 und verfasste unterschiedliche Schriften zu kulturellen, philosophischen und politischen Themen, darüber hinaus war er ein führender Verfechter des Oberhausener Manifests, dessen Verkündigung er 1962 auf den Westdeutschen Kurzfilmtagen Oberhausen moderierte. Das Manifest stellte eine Unabhängigkeitserklärung junger deutscher Filmemacher*innen dar, die eine neue Form des deutschen Films forderten. Zudem gründete Kluge die Produktionsfirma dctp als Plattform für unabhängige Programme im deutschen Privatfernsehen. In diesem Rahmen entstanden in knapp 20 Jahren etwa 1.500 Stunden Sendezeit mit Gesprächen mit Künstler*innen, Filmemacher*innen, Musiker*innen, Schriftsteller*innen, Wissenschaftler*innen und Politiker*innen.
Geboren 1932 in Halberstadt, erlebte er 1945 einen Luftangriff auf seine Heimatstadt, den er nur knapp überlebte, da eine Sprengbombe nicht weit von ihm entfernt einschlug. Daraufhin zog er nach der Trennung seiner Eltern mit seiner Mutter nach Berlin-Charlottenburg. Ab 1950 studierte Alexander Kluge Rechtswissenschaften, Geschichte und Kirchenmusik in Freiburg im Breisgau, Marburg und Frankfurt am Main. In Frankfurt war Kluge unter anderem Student von Theodor W. Adorno.
Daraufhin wurde Kluge 1956 in Marburg in Jura mit der Schrift „Die Universitäts-Selbstverwaltung. Ihre Geschichte und gegenwärtige Rechtsform“ bei Rudolf Reinhardt promoviert. Sein juristisches Referendariat absolvierte er bei Hellmut Becker, dem Justitiar des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Dort vermittelte Adorno ihn an Fritz Lang, um ihn von seinen literarischen Bestrebungen abzubringen. So absolvierte Kluge 1958 ein Volontariat bei CCC-Film zu der Zeit, als Fritz Lang dort „Das indische Grabmal“ drehte.
Alexander Kluge ließ sich ab 1958 erst in Berlin und später in München als Rechtsanwalt nieder, verfolgte aber kurz darauf auch seine literarischen Ambitionen. Er verfasste unter anderem zusammen mit dem Soziologen Oskar Negt mehrere Schriften, wie unter anderem „Öffentlichkeit und Erfahrung“ 1972 sowie „Geschichte und Eigensinn“ 1981. Zudem hat er eine Reihe an Standardwerken zur Filmanalyse verfasst.
Gemeinsam mit Edgar Reitz lehrte Alexander Kluge ab 1963 die Abteilung für Filmgestaltung an der Hochschule für Gestaltung Ulm. Filme wie „Abschied von gestern“ (1966) machten Alexander Kluge als Repräsentant des Neuen Deutschen Autorenfilms international bekannt. Ab 1973 wurde er dann Honorarprofessor an der Universität Frankfurt am Main. Im Jahr 2012 hielt Alexander Kluge die Frankfurter Poetik-Vorlesung zur Theorie und Praxis der Narration an der Goethe-Universität. Die vier Vorträge erschienen im darauffolgenden Jahr auf DVD mit Begleitheft.
Kluge gilt als Autorität auf dem Gebiet der Filmtheorie und ist Verfasser diverser Standardwerke zur Filmanalyse. Seine theoretische Konzeption war prägend für den avantgardistisch-intellektuellen Neuen Deutschen Film der 1970er- und 1980er-Jahre. Als erster Deutscher nach dem Krieg erhielt Alexander Kluge den Silbernen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig für seinen Film „Abschied von Gestern“, in dem seine Schwester Alexandra Kluge in der Hauptrolle spielte.
Im Jahr 2007 erschien zu seinem 75. Geburtstag eine Werkschau von 16 DVDs mit allen 57 Kinofilmen, herausgegeben vom Goethe-Institut, dem Filmmuseum München und der Kulturstiftung des Bundes.
Sein persönliches Archiv übergab Kluge 2015 der Akademie der Künste Berlin zu Forschungszwecken. Als Schriftsteller wurde Alexander Kluge 2025 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet.
Im Essener Museum Folkwang eröffnete Alexander Kluge 2017 seine Ausstellung „Pluriversum. Die poetische Kraft der Theorie“, die 2018 in Wien und 2019 im Literaturhaus München gezeigt wurde. Die Ausstellung zeigte eine Werkschau seines künstlerischen Schaffens. Noch kurz vor seinem Tod begleitete er seine jüngste Ausstellung „Nachts träumen die Kulissen von ungesehenen Bildern“ in der Akademie der bildenden Künste Wien.
Mit dem Tod von Alexander Kluge ist eine der bedeutendsten Stimmen der deutschen Kultur mit klarer politischer Haltung dahingeschieden. Er wird eine spürbare Lücke hinterlassen.
Dazu in Band 251 erschienen:
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