Gespräche mit Künstlern · von Uta M. Reindl · S. 196
Gespräche mit Künstlern , 2018

Alexander Kluge

Kein Tanz auf mehreren Hochzeiten!

von Uta M. Reindl

Große Lust auf Wandel ist fraglos eine der Tugenden des 1932 im mitteldeutschen Halbertstadt geborenen Alexander Kluge. Schon als Protagonist des avantgardistischen Neuen Deutschen Films war Kluge ein geschätzter Verfasser von literarischen Schriften und Sachliteratur. Zum Film kam er über Fritz Lang, wurde sodann einer der Autoren des Oberhausener Manifests von 1962, jener Unabhängigkeitserklärung junger deutscher Filmemacher. 1963 gründete Kluge seine eigene Produktionsfirma, drehte etliche Filme, lehrte an der Hochschule etwa Filmgestaltung oder gab spektakuläre Literaturlesungen. Ende der Achtzigerjahre wandte er sich, überraschend nicht nur für die Filmwelt und mit der Absicht im Privat-TV eine Plattform für unabhängige Programm zu etablieren, dem Fernsehen zu. Neben zahlreichen Preisen für das umfassende filmische und schriftstellerische Oeuvre erhielt Alexander Kluge in 2007 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Und jetzt ist der 85-Jährige offenbar mitten in der Arena der Bildenden Kunst angekommen. So eröffnete er letztes Jahr seinen Soloauftritt in Barcelona im La Virreina mit der kleinen wie feinen Werkschau zum filmischen Schaffen unter dem Titel „Gärten der Kooperation“. Parallel zur diesjährigen Biennale Venedig präsentierte Kluge gemeinsam mit Thomas Demand, der Bühnendesignerin Anna Viebrock und unter kuratorischer Regie von Udo Kittelmann in der beeindruckenden Schau „The Boat is leaking. The Captain lied.“. Seinen mehrstimmigen Kosmos setzte er schließlich Mitte September im Museum Folkwang Essen in Szene und startete vor ein paar Wochen im Württembergischen Kunstverein Stuttgart, in der aus Barcelona übernommenen und durch ein kulturkritisches Symposium erweiterten Ausstellung seinen dritten Solauftritt innerhalb eines…

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