Anders Hören: Die Abramović-Methode in der Alten Oper in Frankfurt

14. März 2019 · Aktionen & Projekte

Vom 17. bis zum 24. März 2019 entwickelt Marina Abramović ein Musikprojekt für die Alte Oper Frankfurt. In ihren Performances geht es immer um „die Möglichkeiten von Körper und Geist“ und um das Ausloten von persönlichen wie gemeinschaftlichen Verbindungen. Daran knüpft auch ihre Abramović-Methode für Musik an, die sie erstmals 2015 in New York bei einer Aufführung von Bachs Goldberg-Variationen als Gemeinschaftserlebnis durchführte. In Frankfurt/Main entwickelt sie diese Methode nun zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Lynsey Peisinger weiter, als ein Erlebnis von „gemeinschaftlicher Erfahrung von Achtsamkeit.“ Die Rezeption von klassischer Musik „geschieht oft auf beiläufige Weise und in festgefahrenen Bahnen, zu sehr lenken uns das Tempo des Lebens, äußere Umstände, Gedanken, Anspannung oder Smartphones ab. Wie kann da noch das Hören von Musik als echte, berührende, profunde, transzendentale Erfahrung stattfinden? Für Marina Abramović war ihr Körper immer Thema und Medium ihres künstlerischen Schaffens zugleich. Durch das Aushalten von Schmerz, Erschöpfung und Gefahr hat sie die physischen und mentalen Grenzen ihrer Existenz ausgelotet – auf der Suche nach emotionaler und spiritueller Transformation. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit einfachen Tätigkeiten des täglichen Lebens wie Liegen, Sitzen, Träumen, Denken, Sehen – und eben auch dem Hören. Diese alltäglichen Aktivitäten ritualisiert die Künstlerin in ihren Performances und schafft es dadurch, einen einzigartigen geistigen Zustand zum Ausdruck zu bringen und zu verdichten. Als Abramović-Methode definiert sie ein gemeinschaftliches, zum Mitmachen aufforderndes Ereignis, das Menschen durch eine gemeinsame Erfahrung mit sich selbst und untereinander verbindet. Innerhalb eines niemanden ausschließenden und nicht-hierarchischen Raums nimmt das Publikum an einer Anzahl von Übungen teil. Zu diesen Übungen gehört etwa das Zählen von Reiskörnern, das lange einer anderen Person in die Augen Schauen, das Gehen in Zeitlupe, das Sehen von Farben oder das Wahrnehmen des Raums mit verbundenen Augen. Jeder Teilnehmer kann selbst entscheiden, welche Übungen er macht und wie lange er in einer Übung verharrt…“ www.alteoper.de

Dazu in Band 256 erschienen: