Vorgeschmack auf documenta fifteen: Dan Perjovschi schwärzt Säulen des Fridericianums

11. Mai 2022 · Aktionen & Projekte
Bookmark (1)
Please login to bookmark Close

Noch vor dem offiziellen Start der documenta fifteen ist bereits das erste Kunstwerk der Großausstellung zu sehen. Dan Perjovschi hat die Säulen des Fridericianums geschwärzt und sie so zur Tafel für kreideweiße Symbole und Zeichen des Friedens, der Solidarität und der Nachhaltigkeit werden lassen. Die Säulen stehen für die Prinzipien Großzügigkeit, Regeneration, Transparenz, Unabhängigkeit, Angemessenheit, Lokalität und Humor und sollen direkter Lehrstoff für die Besucher*innen sein. So begreift Perjovschi, ebenso wie das künstlerische Leitungsteam ruangrupa, die documenta fifteen in erster Linie nicht als eine Ausstellung, sondern als ein Arbeitsfeld, und die Stadt Kassel hauptsächlich auch nicht als Schauplatz einer Weltkunstausstellung, sondern als Ökosystem. Das künstlerische Leitungsteam der documenta fifteen, ruangrupa, ignoriert die Regeln und Rituale des (westlichen) Kunstbetriebs bewusst und setzt damit andere Akzente. Frieden, Politik, Solidarität und Nachhaltigkeit als Hauptthemen der documenta fifteen sind keine abstrakten Begriffe, sondern Leitmotive praktischen Lernens, Erkennens und Handelns. Die Workshop-Angebote und Rundgänge dienen zur Einübung dessen.

Perjovschis Säulen-Intervention lehnt sich optisch bewusst an schwarze Schultafeln mit Kreide an. Auch Joseph Beuys pflegte seine Vorträge zur Idee einer „Sozialen Plastik“ während der Documenta 1972 auf Schultafeln zu skizzieren, und Bazon Brock führte auf der documenta 4 im Jahr 1968 erstmals eine „Besucherschule“ durch. Obwohl Beuys und Brock damit den damals gängigen Kunstbegriff erweiterten, so blieben ihre Kasseler Auftritte freilich immer noch den immanenten Mechanismen des Kunstbegriffs verhaftet.

Die aktuelle Arbeit Perjovschis ist nicht die erste, die er an den Säulen des Fridericianums anbringt. Bereits im März präsentierte er hier als Antwort auf den Krieg in der Ukraine seine Anti-War-Drawings.

Auch wurden alle 32 Ausstellungsorte in den vier Kasseler Gebieten Mitte, Fulda, Nordstadt und Bettenhausen als Spielorte der documenta fifteen bekannt gegeben. Doch für das künstlerische Leitungsteam ruangrupa „ist Kassel nicht „Schauplatz“ einer Ausstellung. Vielmehr begreifen sie die Stadt als Ekosistem (indonesisch für Ökosystem), als ein Geflecht von sozialen Kontexten. „Ausgehend von Kassels Mitte mit ihren vielen Museumsbauten bewegt sich die documenta fifteen rund um die Fulda als historisch wichtige Lebensader und Wasserweg Kassels. Von dort aus öffnet sie sich in die Nordstadt sowie erstmals in der Geschichte der documenta in den industriell geprägten Stadtteil Bettenhausen.“ Die 32 Ausstellungsorte sind:
Mitte
C&A Fassade, Obere Königsstraße 35, 34117 Kassel
documenta Halle, Du-Ry-Straße 1, 34117 Kassel
Frankfurter Straße/Fünffensterstraße (Unterführung), 34117 Kassel
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel
Friedrichsplatz, 34117 Kassel
Gloria-Kino, Friedrich-Ebert-Straße 3, 34117 Kassel
Grimmwelt Kassel, Weinbergstraße 21, 34117 Kassel
Hessisches Landesmuseum, Brüder-Grimm-Platz 5, 34117 Kassel
Hotel Hessenland, Obere Königsstraße 22, 34117 Kassel
KAZimKuba, Rainer-Dierichs-Platz 1, 34117 Kassel
Museum für Sepulkralkultur, Weinbergstraße 25–27, 34117 Kassel
Naturkundemuseum im Ottoneum, Steinweg 2, 34117 Kassel
Rainer-Dierichs-Platz, 34117 Kassel
ruruHaus, Obere Königsstraße 43, 34117 Kassel
Stadtmuseum Kassel, Ständeplatz 16, 34117 Kassel
WH22, Werner-Hilpert-Straße 22, 34117 Kassel

Fulda
Bootsverleih Ahoi, Blücherstraße 20/22, 34123 Kassel
Gewächshaus (Karlsaue), Auedamm 18, 34121 Kassel
Hafenstraße 76, 34125 Kassel
Hiroshima-Ufer (Karlsaue), Am Auedamm, 34121 Kassel
Karlswiese (Karlsaue), An der Karlsaue, 34121 Kassel
Komposthaufen (Karlsaue), Koordinaten: 51.298472, 9.493083, 34121 Kassel
Rondell, Johann-Heugel-Weg, 34117 Kassel
Walter-Lübcke-Brücke, 34117 Kassel

Bettenhausen
Hallenbad Ost, Leipziger Straße 99, 34123 Kassel
Hübner-Areal, Agathofstraße 15, 34123 Kassel
Sandershaus / Haferkakaofabrik, Sandershäuser Str. 79, 34123 Kassel
St. Kunigundis, Leipziger Str. 145, 34123 Kassel
Platz der Deutschen Einheit (Unterführung), 34125 Kassel

Nordstadt
Nordstadtpark, 34127 Kassel
ook_visitorZentrum, Weserstraße 26, 34125 Kassel
Trafohaus, Lutherstr. 2, 34117 Kassel http://www.documenta.de

Dazu in Band 200 erschienen:

Bookmark (1)
Please login to bookmark Close

Weitere Nachrichten


DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Rosenzart leuchtet das Firmament: Canalettos Gemälde Venedig, der Bucintoro am Himmelfahrtstag an der Mole wurde von Christie’s New York für USD 30.535.000,— versteigert, © CHRISTIE’S IMAGES LTD. 2026

Fragen zur Zeit

Canalettos Himmel, und warum Jackson Pollock noch aktuell ist

Anne Imhof, Sex, 2023, Performance, Rauminstallation, Courtesy: Galerie Meyer Kainer, Wien / Galerie Buchholz, Berlin, Foto: © Anne Imhof

Das inszenierte Selbst

Autofiktion in der Gegenwartskunst

Carolee Schneemann, Interior Scroll, 1975, Performance, © Carolee Schneemann Foundation / Courtesy: Lisson Gallery und P•P•O•W, New York; Estate of Carolee Schneemann / VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: © Peter Moore

Autofiktion in Körper und Gesamtkunstwerk

Entwicklungen einer performativen Selbstüberschreibung

IRWIN, Corpse of Art, 2003–2004, Öl, Leinwand, Holz, Vase mit frischen Lilien, unterschiedliche Dimensionen, geschenkt durch Künstler*innen 2025, Ways of Seeing, Ausstellungsansicht, Muzeum Sztuki in Łódź, Courtesy: Muzeum Sztuki w Łodzi, Foto: Anna Zagrodzka

Bury or Recover the Self?

Über Cathie Pilkington im Freud Museum London und Ways of Seeing im Muzeum Sztuki, Łódź

Agata Słowak, Dzieci Niczyje / No Man’s Children, 2024, Öl auf Leinwand, 130 × 100 cm, Foto: Hannah Mjølsnes

Would you like to eat my heart?

Malerei und Autofiktion im Werk von Agata Słowak.

Ruine München Companions, Conversation Piece, 2023, Foto: Constanza Meléndez

Fragmentarisches Geschichtenerzählen als kuratorisch-künstlerische Praxis im öffentlichen Raum

von Lisa Alice Klosterkötter

Kontaktabzug, Meret Oppenheim fotografiert von Lynne Tillman, Lynne Tillman Papers, NYU Fales Library and Special Collections, Box 9, Ordner 13: Meret Oppenheim

Zwischen den Zeilen

Meret Oppenheim und Lynne Tillman

Kaare Ruud, Weather Forever, 2025, Ausstellungsansichten, Hordaland Kunstsenter, Bergen, Foto: Hordaland Kunstsenter

Wash time free of pastness

Autofiktion in den Arbeiten von Kaare Ruud

Michaela Spiegel, V24_2 / 1, Polaroid, 107 × 88 mm, 2001, Courtesy: die Künstlerin

Bildstrecke

Matthew Barney, CREMASTER 5, 1997, Produktionsaufnahme, © Matthew Barney, Courtesy: der Künstler und Gladstone, New York, Brüssel und Seoul, Foto: Michael James O’Brien.

Matthew Barney

Zwischen narrativer Form und Objektform

Carina Brandes, Ohne Titel (CB088), 2011, Handabzug auf Barytpapier, 22,5 × 29,9 cm, Courtesy: BQ, Berlin

Carina Brandes

Das Weg-nehmen, was schön ist

Zuza Golińska, Mud, Muck, Marsh, 2025, Performerin: Anna Steller, Museum für Moderne Kunst, Warschau, 23.2.2025, Foto: Pat Mic

Zuza Golińska

Schreiben als Selbst-Positionierung in der Bildhauerei

Rinus van de Velde, And when the cigarette smoke slowly but surely drifts away, …, 2024, Kohle auf Leinwand, 180 × 240 cm, Courtesy: Tim Van Laere Gallery, Antwerpen – Rom

Rinus van de Velde

Autofiktion im Medium der Zeichnung

George Condo im Gespräch, Filmdokumentation für die Ausstellung des Musée d’Art Moderne de Paris, 2025, @mamvp, Paris Musées, © Pierre Antoine

George Condo

Meine Identität ist, wer ich nicht bin

Anna Jermolaewa, Please Continue (after Stanley Milgram), 2026, Neonbuchstaben, 99 × 200 cm, Courtesy: die Künstlerin und Galerie Molitor, Berlin, Foto: Choreo

Anna Jermolaewa. You can count on me

Galerie Molitor

7.2.–18.4.2026

David Lynch, Billy (and His Friends) Did Find Sally in the Tree, 2018, Mixed Media Gemälde, 167,6 cm × 167,6 cm, © The David Lynch Estate, Courtesy: Pace Gallery

David Lynch. On View

Pace Gallery

29.1.–29.3.2026

Philip Montgomery, The Viewing, Kettering, Ohio, 2017 © Philip Montgomery

Philip Montgomery American Cycles

American Cycles

PHOXXI, Deichtorhallen

28.11.2025–10.5.2026

Rosanna Graf, Alraune (solo), 2020, Objekt, Samt, Foto: Jens Franke

Die andere Seite der Nacht

Dortmunder Kunstverein

15.2.–17.5.2026

Jelena Bulajić, After Sugimoto, 2023, Gemsbok, Acryl, Farbstift, Grafit auf Leinwand, 42,1 × 54,4 cm, Courtesy: Jelena Bulajić und carlier | gebauer, Foto: T.W. Kuhn

Jelena Bulajić untitled (after)

untitled (after)

Kunsthalle Münster

13.12.2025–29.3.2026

Renate Bertlmann, Farphalla Ventilata, 2003 / 2024, Mixed media, Vibrator und Ventilator, Stahlblech, Federn, Kunststoff, 185 × 50 × 50 cm, © Renate Bertlmann, Foto: Mareike Tocha / Galerie Gisela Clement

Renate Bertlmann Im Visier

Im Visier

Galerie Gisela Clement

24.1.–31.3.2026

Britta Marakatt-Labba, Riegádahttin / Giving Birth / Geburt, 1983, Handstickerei und Applikation auf Leinen, Wollgarn, 29,2 × 45,5 cm, mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin und KORO – Public Art Norway, Oslo, Foto: Norbert Miguletz

Britta Marakatt-Labba Stitched Tracks

Stitched Tracks

Kunsthalle Mainz

30.1.–26.7.2026

Porträt Anna Barham, Foto: Carmela Thiele

Anna Barham delirious mantra

delirious mantra

Badischer Kunstverein

13.2.–14.6.2026

Ausstellungsansicht, Iman Issa. Lass uns spielen, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, 2025, Foto: Lukas Schramm, Lenbachhaus

Iman Issa Lass uns spielen

Lass uns spielen

Lenbachhaus

24.11.2025–12.4.2026

VENEDIG
BIENNALE