Berlin Biennale: Streit um Abu Ghuraib-Installation von Jean-Jacques Lebel

4. August 2022 · Kulturpolitik
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Umstrittene Kunst findet sich offensichtlich nicht nur auf der Kasseler Documenta, sondern auch auf der diesjährigen Berlin Biennale. In den Rieck-Hallen des Museums Hamburger Bahnhof erregte der Künstler Jean-Jacques Lebel Unmut mit seiner Installation „Poison soluble. Scènes de l’occupation américaine à Bagdad“ (Lösliches Gift. Szenen aus der Zeit der amerikanischen Besatzung in Bagdad). Nachdem im zweiten Irak-Krieg die US Army das Land militärisch unter ihre Kontrolle brachte, wurden Gefolgsleute des gestürzten Diktators Saddam Hussein im Gefängnis Abu Ghuraib inhaftiert. US-Armeeangehörige und CIA-Leute setzten bei Vernehmungen Folterpraktiken ein und hielten dies sogar stolz in Fotos fest. „Der Skandal wurde durch erste Veröffentlichungen 2004 bekannt. Bei der juristischen Aufarbeitung in den Folgejahren gab es unter anderem Haft- und Disziplinarstrafen für zahlreiche US-Soldatinnen und -Soldaten“, erläuterte t-online.de dazu. „Ich habe die farbigen Schnapsschüsse der Folternden ausgedruckt, vergrößert und schwarz-weißen Pressefotos von irakischen Städten gegenübergestellt, die von der US-Luftwaffe verwüstet oder völlig vernichtet wurden“, so Jean-Jacques Lebels Konzeptbeschreibung auf der Internetseite der Berlin Biennale. Die irakische Künstlerin Rijin Sahakian beschwerte sich zusammen 15 anderen Unterzeichnenden allerdings in einem offenen Brief, dass die Persönlichkeitsrechte der Gezeigten verletzt würden. „Die Kuratoren der Biennale hätten die Erlaubnis der auf den Fotos gezeigten Personen einholen und die in der Nähe ausgestellten irakischen Künstler konsultieren sollen“, wird sie von „Monopol“ zitiert. Es heißt, eine Arbeit des irakischen Künstlers Sajjad Abbas wurde auf dessen Wunsch umplatziert, „um nicht weiterhin in der Nähe von Lebels Werk gezeigt zu werden“. Lebels Installation sei eine „rücksichtslose Reproduktion der Verbrechen der Invasoren“, so die Kritik. Aus Protest gegen Lebels Installation trat laut offenem Brief die Kuratorin Ana Teixeira Pinto zurück. Die „Berliner Zeitung“ kommentierte: „Die krasse Arbeit des alten Pariser Politikaktivisten mit den damals von prahlenden US-Soldaten online gestellten oder von ehemaligen Häftlingen veröffentlichten Fotos aus dem erst 2014 geschlossenen Foltergefängnis Abu Ghuraib wurde in Biennale-Rezensionen bisher kaum mit Erregung erwähnt. Die Szenen sind bekannt. Vielleicht ist unser Sehen auch einfach schon abgestumpft? Nach den Medienbildern aus Afghanistan, Syrien, nun aus der Ukraine… Aber eine Biennale, die sich explizit politisch erklärt, ist sicherlich kein künstlerischer Genusswettbewerb“.

Dazu in Band 283 erschienen:

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